Alex Soojung-Kim Pang: Pause

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Über den Autor

Alex Soojung-Kim Pang ist Autor, Redner, Unternehmensberater und Gastwissenschaftler für Wissenschaftsphilosophie und Geschichte der Wissenschaft in Standford. Er hat einen Doktor (Ph. D.) in History and Sociology of Science.

Zusammenfassung

Das Geheimnis der produktivsten Wissenschaftler, Autoren und Künstler. Warum die kreativsten Menschen weniger arbeiten und trotzdem – oder gerade dadurch – mehr erreichen.

Viele Menschen in Kreativ-Jobs haben eine falsche Vorstellung von Produktivität und Kreativität. Sie nehmen an, dass der Schlüssel zu einer gesteigerten Produktivität darin besteht, noch mehr Zeit am Schreibtisch zu verbringen und sich bei der Arbeit noch mehr anzustrengen. Kreativität sei vor allem eine Frage des Zufalls, man müsse von der Muse geküsst werden.

»Falsch!«, sagt Alex Soojung-Kim Pang in seinem sehr zu empfehlenden Buch Pause. Die Ursachen überdurchschnittlicher Produktivität und Kreativität sind ganz andere. Um verstehen zu können, worauf es ankommt, muss man zunächst einmal wissen, wer überhaupt die ganze Arbeit macht.

Woher kommen unsere kreativen Ideen?

Welchen Ursprung hat unser Schaffensdrang?

Weil es sich so anfühlt, glauben wir instinktiv, unsere kreative Arbeit würde von unserem Bewusstsein gemacht werden, aber das ist falsch! Tatsächlich entstammt unsere Kreativität nicht unserem Bewusstsein, sondern dem sogenannten Default Mode Network (DMN), einem neuronalen Netzwerk in unserem Gehirn, das interessanterweise immer dann aktiv wird, wenn unser Bewusstsein Pause macht. Daher gilt:

Pausen fördern die Kreativität, während bewusstes Nachdenken eher schadet – zumindest in bestimmten Situationen.

Das Default Mode Network erzeugt unsere kreativen Ideen und findet Lösungen für unsere Probleme.

Das Geheimnis der kreativsten und produktivsten Menschen besteht darin, dass sie dafür sorgen, dass sich ihr DMN um die Arbeit kümmert, während sie – bildlich gesprochen – aus dem Weg gehen, um nicht zu stören.

Wie sich das DMN zur Arbeit animieren lässt, ist das Hauptthema des Buches Pause. Alex Soojung-Kim Pang belegt seine Thesen anhand von Studien und zahlreichen kleinen Geschichten, mit denen er für meinen Geschmack etwas übertreibt. Das Buch wirkt künstlich aufgeblasen, worunter die Freude am Lesen streckenweise leidet. Dass ich das Buch dennoch wärmstens empfehle, liegt daran, dass ich den Inhalt für außerordentlich wichtig halte.

Warum viele Menschen nicht kreativ und unproduktiv sind

Die Art und Weise, wie wir Menschen heutzutage arbeiten, ist geschichtlich betrachtet relativ neu. Bis zur industriellen Revolution waren unsere Vorfahren größtenteils selbstständig und es gab keine strikte Trennung zwischen Privatleben und Arbeit. Die Arbeitsleistung wurde am Ergebnis der Arbeit gemessen und nicht an der Zeit, die jemand für die Arbeit brauchte.

Im Zuge der industriellen Revolution veränderte sich die Arbeitswelt maßgeblich. Die ehemals selbstständigen Bauern und Handwerker wurden zu Angestellten in Fabrikhallen. Als später die Bürojobs entstanden, übertrug man die Rahmenbedingungen der Fabrikarbeit auf die Büroarbeit. Weil die Arbeiter in den Fabrikhallen von morgens bis abends produktiv waren, ging man davon aus, dass diese Arbeitszeiten auch die Produktivität in den Büros maximieren sollten.

Während die Produktivität der Fabrikarbeiter direkt gemessen werden konnte, ließ sich die Produktivität der Menschen in den Büros oft nicht so einfach feststellen. Anstatt die tatsächliche Arbeitsleistung der »Kreativen« zu belohnen, bewertete man sie häufig anhand ihrer Geschäftigkeit. Angestellte, die lange im Büro anwesend waren und dabei viel Wind erzeugten, galten als produktiv. Es zahlte sich aus, so zu tun, als sei man unglaublich beschäftigt.

»Das moderne Büro ist eine Bühne. Man be­findet sich immer im Scheinwerferlicht. Die Show ist niemals zu Ende.«

Vier Stunden pro Tag

Schluss mit der Schauspielerei, sagt Pang. Außerordentlich produktive Menschen in unterschiedlichsten Kreativ-Berufen, die nie darauf angewiesen waren, produktiv zu erscheinen, haben eine hochinteressante Gemeinsamkeit: Sie haben nur etwa vier Stunden pro Tag hoch konzentriert gearbeitet. Den Rest des Tages haben sie Dinge getan, die Außenstehende nicht als Arbeit bezeichnet hätten.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass diese Menschen nicht mit nur vier Stunden Arbeit pro Tag ausgekommen sind, weil sie so produktiv (und kreativ) waren. Es gilt die umgekehrte Kausalität: Diese Menschen waren nur deswegen so produktiv (und kreativ), weil sie nicht übertrieben lange gearbeitet haben.

Kein Mensch kann länger als etwa vier Stunden pro Tag hoch konzentriert mit dem Kopf arbeiten!

Über den kolumbianischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez schreibt Pang, dass dieser zwar versucht habe, länger zu arbeiten, dass darunter aber die Qualität seiner Texte litt, sodass er unter dem Strich unproduktiver wurde, weil er vieles am nächsten Tag überarbeiten oder sogar komplett neu schreiben musste.

Was außergewöhnlich produktive Menschen noch anders machen

Pang führt einige Verhaltensweisen außergewöhnlich produktiver Menschen auf, die er als Ursache ihrer Produktivität sieht.

Produktive Menschen haben eine Morgenroutine

Außergewöhnlich produktive Menschen erledigen ihre Arbeit früh am Morgen. Damit ist nicht etwa gemeint, dass sie extrem früh aufstehen, sondern, dass sie ihren Tag mit ihrer Arbeit beginnen.

Außerdem haben viele hochproduktive Menschen eine Morgenroutine, die dafür sorgt, dass sie am Morgen möglichst viel Energie haben. Worin genau ihre Morgenroutine besteht, ist individuell. Einige Kreative treiben direkt nach dem Aufstehen Sport, andere meditieren und wieder andere machen sich sofort an die Arbeit.

Pang rät dazu, täglich etwa vier Stunden für die produktive Arbeit zu blocken und diesen Termin vehement zu verteidigen.

Produktive Menschen gehen spazieren

Viele Menschen (ich gehöre auch dazu) haben schon aus eigener Erfahrung gelernt, dass sie überdurchschnittlich viele kreative Einfälle haben, sobald sie das Haus für einen Spaziergang verlassen.

Pang zitiert Studien, die gezeigt haben, dass das Default Mode Network eher bei einem Spaziergang in der Natur als bei einem Spaziergang in einer hektischen Innenstadt aktiv ist. Man könnte daraus schließen, dass es die Umgebung ist, die kreative Einfälle auslöst, aber das wurde widerlegt.

Was die Kreativität tatsächlich begünstigt, ist die moderate körperliche Bewegung. Wer aus irgendwelchen Gründen nicht nach draußen kann (oder will), darf also gerne drinnen auf einem Laufband gehen. Wichtig ist nur, dass die Umgebung nicht zu hektisch ist und dass man weder zu schnell noch zu langsam geht, weil beides zu bewusstem Denken und damit zur Abschaltung des DMN führen würde.

Produktive Menschen halten Mittagschlaf

Ein Mittagschlaf hat viele Vorteile:

  • Das Gedächtnis verbessert sich.
  • Man macht weniger Fehler.
  • Die Selbstkontrolle gelingt besser.
  • Die Frustrationstoleranz verbessert sich.

Produktive Menschen nutzen ihren Schlaf

Da außergewöhnlich produktive Menschen nur etwas vier Stunden pro Tag arbeiten, haben sie genügend Zeit um ausreichend lange zu Schlafen.

Einige außergewöhnlich erfolgreiche Wissenschaftler haben die Angewohnheit, vor dem Zubettgehen bewusst an ein Problem zu denken, in der Hoffnung, dass das Problem während dem Schlafen vom Unbewussten gelöst wird.

Produktive Menschen hören einfach auf

Fast jeder dürfte diesen Drang kennen, angefangene Dinge zu Ende zu bringen, bevor man in den Feierabend geht. Viele außergewöhnliche kreative Menschen tun genau das Gegenteil davon: Sie hören mitten im Satz auf, um den Satz erst am nächsten Tag zu Ende zu schreiben.

Auf diese Weise ist für einen leichteren Einstieg am nächsten Tag gesorgt und – das ist das Entscheidende – das DMN wird sich in der Zwischenzeit mit dem unvollständigen Satz und allem, was danach noch kommt, beschäftigen.

Produktive Menschen erholen sich aktiv

Viele unproduktive Menschen halten die passive Entspannung (Sofa und Netflix) für den geeignetsten Weg zur Regeneration ihrer Kräfte.

Außergewöhnlich produktive Menschen regenerieren sich nicht passiv, sondern aktiv, zum Beispiel im Rahmen eines Aktivurlaubs, bei dem sie Abstand zu Ihrer Arbeit gewinnen, indem sie in einer anderen Beschäftigung aufgehen.

Anhand von Studien zeigt Pang, dass es besser ist, alle paar Monate für nur eine Woche Urlaub zu machen, anstatt sich einmal im Jahr ausgedehnt freizunehmen.

Produktive Menschen treiben Sport

Pang zitiert eine Studie, die eine Gruppe junger Wissenschaftler über Jahre untersucht hat. Zu Beginn der Studie waren alle in etwa gleich erfolgreich (Chancengleichheit). Mit der Zeit spaltete sich die Gruppe jedoch in zwei Teilgruppen auf: Ein Teil der Gruppe hatte großen Erfolg und ein anderer Teil blieb auf der Strecke. Der entscheidende Unterschied zwischen den Mitgliedern der beiden Gruppen war Sport. Die erfolgreichen Wissenschaftler trieben ihr Leben lang aktiv Sport, während die weniger erfolgreichen Wissenschaftler körperlich eingerostet waren.

Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, wird das Gehirn durch Sport dazu angeregt, neue Nervenzellen wachsen zu lassen. Außerdem wirkt sich ein trainiertes Herz-Kreislauf-System auch auf die geistige Leistungsfähigkeit aus, denn das Gehirn braucht sehr viel Energie (und das Herz-Kreislauf-System versorgt mit Energie).

Produktive Menschen haben Hobbies

Viele außergewöhnlich produktive Menschen haben eine Art zweites Standbein neben ihrem Hauptberuf, in das sie dauerhaft Energie stecken: Fotografie, Klettern, Segeln, Billard, Malerei, Musik, usw. Während sie bewusst mit ihrem Hobby beschäftigt sind, beschäftigt sich ihr DMN mit den zu lösenden Problemen im Hauptberuf.

Produktive Menschen nehmen Sabbaticals

Eine Auszeit (Sabbatical) muss kein ganzes Jahr dauern. Viele außergewöhnlich produktive Menschen nehmen sich regelmäßig Auszeiten vom Tagesgeschäft, um sich vertieft mit Teilaspekten ihrer Arbeit beschäftigen zu können oder um in eine andere Kultur einzutauchen.

Zum Beispiel war Bill Gates dafür bekannt, sich jedes Jahr einige Wochen lang freizunehmen, um in dieser Zeit ein Buch nach dem anderen zu lesen.

Fazit/Schlussfolgerung

Am besten lässt sich der Inhalt von Pause in einem Satz auf den Punkt bringen, den Soojung-Kim Pang im Buch mehrfach wiederholt:

»Pausen sind nicht das Gegenteil von Arbeit, sondern ein wichtiger Partner der Arbeit!«

Wer Pausen für sich nutzen möchte, muss alle Arten von Pausen unbedingt schon im Vorfeld einplanen, denn Pausen werden niemals von sich aus auf uns zukommen.

Und wir müssen damit aufhören, Geschäftigkeit mit Produktivität zu verwechseln, denn wir Pang zeigt, ist nicht Pause das Gegenteil von produktiver Arbeit, sondern übertrieben lange Arbeitszeiten.

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Über den Autor

Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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