
Über die Autorin (Mel Robbins)
Mel Robbins (Jahrgang 1968) ist eine US-amerikanische Autorin und ehemalige Anwältin.
Nachdem ihr TEDx-Talk How to stop screwing yourself over (Wie du damit aufhörst, dich selbst zu sabotieren) im Jahr 2011 mehrere Millionen Mal aufgerufen wurde, hat sie sich als Motivationsrednerin selbstständig gemacht. Ihre Themen sind Mindset, Motivation und Verhaltensänderung.
Die deutschsprachige Ausgabe ihres Buches Die LET THEM Theorie: Zwei Worte, die dein Leben verändern werden* erschien 2025. In den USA war The Let Them Theory* mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren innerhalb eines Monats das am erfolgreichsten gestartete Sachbuch aller Zeiten.
Die LET THEM Theorie* ist Mel Robbins’ viertes Buch. Ihr erstes Buch Stop Saying You’re Fine* aus dem Jahr 2012 erschien bisher nur auf Englisch. Die 5-Sekunden Regel* und Die einfachste Gewohnheit der Welt* waren 2018 und 2021 auch auf Deutsch erschienen.
Zusammenfassung
Disclaimer: Das Buch enthält zahlreiche Geschichten aus Mel Robbins’ Leben, die ich in dieser Zusammenfassung größtenteils nicht berücksichtigen konnte.
Mel Robbins’ Geschichte
2009 war Mel Robbins 41 Jahre alt, arbeitslos, depressiv und ohne Hoffnung. Sie und ihr Mann Chris, der ein erfolgloses Restaurant betrieb, hatten einen großen Haufen Schulden.
Mel Robbins wusste, was sie tun musste, um aus ihrem Loch herauszukommen, konnte sich aber oft nicht dazu aufraffen. An vielen Tagen schaffte sie es kaum, morgens aufzustehen, die Post zu öffnen und ihre drei Kinder zu versorgen. Der Stress, die Angst und ihre kreisenden Gedanken lähmten sie.
Eines Morgens kam sie mal wieder nicht aus dem Bett. Da kam ihr die Idee, das Aufstehen mit einem Countdown einzuleiten:
5 – 4 – 3 – 2 – 1.
Und es funktionierte.
Nachdem sie ihren Countdown gestartet hatte, gab es kein Zurück mehr. Durch das Rückwärtszählen wurden ihre kontraproduktiven Gedanken aus ihrem Bewusstsein verdrängt. Ihr Gehirn wurde davon abgehalten, ihr ihren Handlungsimpuls wieder auszureden.
Der Countdown wurde zur festen Gewohnheit, Mel Robbins’ „5-Sekunden-Regel“.
In ihrem Leben ging es endlich wieder aufwärts. Eine Bekannte, der die positiven Veränderungen aufgefallen waren, lud sie dazu ein, bei einer TEDx-Konferenz über die 5-Sekunden-Regel zu sprechen. Es wurde einer der meistgesehenen TEDx-Vorträge aller Zeiten. Fortan wurde Mel Robbins immer häufiger eingeladen, Reden zu halten.
Schließlich wurde sie die meistgebuchte Rednerin der Welt.
Auf die häufig gestellte Frage, ob sie denn eine Therapeutin sei oder einen Doktortitel habe, antwortet sie:
„Nein, ich habe mir das alles auf die harte Tour angeeignet – indem ich mein eigenes Leben vermasselt habe und es dann wieder in Ordnung bringen musste.“
Die LET THEM Theorie
Mit der Let-them-Theorie können wir uns von den Urteilen, Meinungen und Gefühlsausbrüchen anderer Menschen befreien. Dadurch gewinnen wir Zeit und Energie und können uns besser auf das Wesentliche konzentrieren.
Unsere Motivationsprobleme haben oft mit anderen Menschen zu tun. Wir kommen nicht ins Tun, weil wir darüber nachgrübeln, was die anderen denken, fühlen und/oder von uns erwarten könnten. Die Folgen sind mentale Erschöpfung und ein Leben, das nicht so ist, wie wir es gerne hätte.
Das Problem sind aber nicht die anderen Menschen, sondern, dass wir zulassen, dass sie uns auf diese Weise beeinflussen können. Und das hat letztlich damit zu tun, dass wir davon ausgehen, dass sie uns mehr mögen, wenn wir das Richtige sagen oder tun. Damit liegen wir jedoch falsch.
Wenn wir damit aufhören, die Macht an andere abzugeben, indem wir uns so viele Gedanken darüber machen, was sie denken, fühlen, sagen und/oder tun könnten, fangen wir endlich an, unser Leben selbst zu leben. Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen.
Und so funktioniert sie:
Wenn wir in eine entsprechende Situation kommen, erlauben wir den anderen, zu denken, zu fühlen, zu sagen und/oder zu tun, was immer sie denken, fühlen, sagen und/oder tun wollen. Indem wir innerlich zu uns selbst sagen: „Lass sie …“
Zum Beispiel:
- Lass sie diese Meinung haben
- Lass sie beleidigt sein
- Lass sie mich kritisieren
- Lass sie meinen Vorschlag ignorieren
In vielen Fällen werden wir es mehrfach wiederholen müssen. Und jedes Mal fühlen wir uns ein bisschen besser.
Das ist der erste Teil der Let-them-Theorie. Es gibt noch einen zweiten Teil, ohne den der erste nicht richtig funktioniert. Dazu kommen wir, nachdem wir uns angeschaut haben, warum der erste Teil funktioniert.
Meine Empfehlung:
Warum funktioniert Lass sie …?
Mel Robbins erklärt, dass wir von Natur aus das Bedürfnis haben, kontrollieren zu wollen, was andere Menschen fühlen, denken, sagen und tun könnten. Wir wollen andere dazu zwingen, unsere Erwartungen zu erfüllen. Dahinter steckt unsere Urangst vor Ablehnung und dem Ausschluss aus unserer Gruppe.
Unser Kontrollbedürfnis erzeugt eine Illusion von Sicherheit. Es lässt uns glauben, dass wir uns vor Ablehnung und Enttäuschung schützen können. Dadurch wird verhindert, dass wir permanent Angst haben und gelähmt sind.
So weit so gut.
Das Problem ist, dass wir die Gefühle, Gedanken und Handlungen der anderen in Wahrheit gar nicht kontrollieren können. Versuchen es wir es trotzdem, werden wir immer ängstlicher und gestresster und verschwenden jede Menge Energie.
Hier kommt die Let-them-Theorie ins Spiel. Indem wir „Lass sie …“ sagen, legen wir eine Art mentalen Schalter um, der uns dazu bringt, das Unkontrollierbare nicht mehr kontrollieren zu wollen. Dadurch wird verhindert, dass wir aufkommende negativen Gedanken und Gefühle füttern.
Stattdessen beobachten wir einfach nur, was passiert.
Die Stressreaktion bleibt aus.
Unser Kopf bleibt klar.
Wir behalten die Kontrolle über unser Handeln.
Es ist ein Werkzeug zur Aufrechterhaltung von Selbstwirksamkeit.
Mel Robbins erklärt, dass es das Wirkmächtigste ist, das sie je entdeckt hat. Dabei ist das alles überhaupt nicht neu. Ähnliche Ansätze gibt es bereits im Buddhismus, laut dessen Lehren Leid entsteht, wenn wir uns gegen die Realität stellen und uns wünschen, dass die Dinge anders wären, als sie sind.
Das Problem an „Lass sie …“
Wenn wir immer nur den bisher besprochenen ersten Teil der Let-them-Theorie anwenden, besteht die große Gefahr, dass wir uns unseren Mitmenschen überlegen fühlen und uns zurückziehen und vereinsamen. Das wäre kontraproduktiv.
Darum hat die Let-them-Theorie noch einen zweiten Schritt:
„Lass mich …“ (Teil 2 der Let-them-Theorie)
Indem wir „Lass sie …“ gesagt haben, haben wir Macht über uns gewonnen.
Der zweite Teil der Let-them-Theorie hilft uns dabei, diese Macht zu nutzen, um für das, was wir als Nächstes denken, fühlen, sagen oder tun, die Verantwortung zu übernehmen.
Wir sagen innerlich zu uns: „Lass mich …“
Zum Beispiel:
- Lass mich jetzt die Verantwortung übernehmen
- Lass mich damit aufhören, von anderen zu erwarten, dass sie …
- Lass mich herausfinden, was das tiefergehende Problem ist
So können wir das Beste aus jeder Situation machen.
Mel Robbins weist darauf hin, dass es um den Umgang mit Erwachsenen geht. Im Umgang mit Kindern kann die Let-them-Theorie zwar auch funktionieren, aber es gibt ein paar wichtige Vorbehalte, auf die sie in einer Bonuslektion eingeht, die man sich von ihrer Website herunterladen kann.
Im restlichen Teil des Buches zeigt Mel Robbins, wie wir ihre Let-them-Theorie auf acht verschiedene Schlüsselbereiche unseres Lebens anwenden können:
- Umgang mit Stress
- Angst vor der Meinung anderer
- Umgang mit den Emotionen der anderen
- Umgang mit dem Drang, sich ständig zu vergleichen
- Freundschaften zwischen Erwachsenen
- Andere dazu bringen, sich zu ändern
- Menschen helfen, die schwerwiegende Probleme haben
- Liebesbeziehungen
Mit der Let-them-Theorie besser mit Stress umgehen
Im Alltag geraten wir immer wieder in Situationen, die uns Stress bereiten können. Und wir verstärken unseren Stress noch zusätzlich, wenn wir uns ärgern und dann Dinge tun, die wir später bereuen.
Mel Robbins erklärt, dass sieben von zehn Menschen unter chronischem Stress leiden, der ihre Gehirnfunktion beeinträchtigt. Ihnen fällt es schwer, klar zu denken, und sie handeln oft unüberlegt und impulsiv.
Wenn wir unser Potenzial voll ausschöpfen wollen, dürfen wir darum nicht zulassen, dass uns Lappalien wie unhöfliche Menschen und dumme Dinge unnötig in Stress versetzen. Doch wie können wir das verhindern?
Die Autorin verweist auf den antiken Philosophen Epiktet, der gesagt hat, dass es nicht darauf ankommt, was uns passiert, sondern wie wir auf die Geschehnisse reagieren.
Der erste Teil der Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, gelassener zu reagieren und so zu verhindern, dass die vielen kleinen Nadelstiche des Alltags zu großen Stressfaktoren werden. Mit dem zweiten Teil können wir unser gestresstes Gehirn wieder in den Normalzustand zurückversetzen.
Mit dem ersten Teil der Let-them-Theorie signalisieren wir unserem Gehirn, dass alles in Ordnung ist und es die Stressreaktion beenden kann. Und mit dem zweiten Teil bringen wir uns dann selbst dazu, das Beste zu tun, was man tun kann, wenn man gestresst ist: tief Atmen.
Das tiefe Atmen aktiviert den Vagusnerv und beendet die Stressreaktion. Dadurch gewinnen wir wieder die volle Kontrolle über uns und können bewusst wählen, was wir als Nächstes tun.
Mit der Let-them-Theorie die Angst vor den Meinungen anderer besiegen
Aus Angst, dass andere Menschen negativ von uns denken könnten, wollen wir immer schon im Voraus erraten, welche Meinungen sie über uns und unser Handeln haben könnten. Das führt zu Selbstzweifeln, Aufschieberitis und übertriebenem Perfektionismus, worunter jeder Aspekt unseres Lebens leidet.
Die Let-them-Theorie hilft uns dabei, unsere Angst vor negativen Meinungen zu überwinden, sodass wir nicht mehr davon abgehalten werden, das zu tun, was wir tun wollen.
Im ersten Schritt gestatten wir den anderen, negativ über uns zu denken:
- Lass sie diese Meinung haben
- Lass sie mich kritisieren
- Lass sie schlecht über mich denken
Im zweiten Schritt machen wir uns klar, dass negative Gedanken nicht bedeuten, dass wir von den entsprechenden Personen nicht gemocht werden. Denn wenn wir mal ehrlich sind, haben wir auch ständig kritische Gedanken über andere – gerade über die, die uns wichtig sind und die wir lieben.
Zudem hilft es, wenn wir die Situation aus der Sicht und vor dem Hintergrund der Erfahrungen unserer Familienmitglieder und Freunde betrachten und uns bewusst machen, dass sie auch nach Kontrolle streben. Wahrscheinlich sind sie nur nervös, weil sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren.
Wir müssen auch keinen Konsens finden – zwei verschiedene Sichtweisen können gleichzeitig richtig sein und parallel existieren.
Mel Robbins erklärt, dass es nur auf unsere eigene Meinung ankommt. Wir sollen unser Leben so gestalten, dass wir stolz auf uns sein können. Dass wir das tun, was uns glücklich macht, und dass wir mutig sind, Risiken eingehen und unseren eigenen Weg gehen, ist viel wichtiger als was andere Menschen von uns denken.
Es geht nicht darum, egoistisch oder narzisstisch zu werden. Wir sollten unsere eigenen Bedürfnisse aber mehr in den Vordergrund stellen, aber sie nach Möglichkeit immer noch mit den Erwartungen und Gefühlen der anderen in Einklang bringen. Je besser wir darin werden, umso besser werden auch unsere Beziehungen.
Meine Empfehlung:
Mit der Let-them-Theorie besser mit emotionalen Menschen umgehen
Wir neigen dazu, uns von den Emotionen unserer Mitmenschen steuern zu lassen. Ihr passiv-aggressives Verhalten und ihre Launen und Wutausbrüche beeinflussen unser Verhalten. Wir knicken ein, gehen auf Eierschalen und sagen Ja, obwohl wir Nein meinen. Das macht es kurzfristig einfacher, aber langfristig verlieren wir uns selbst. Und insgeheim hassen wir die anderen für ihre emotionalen Reaktionen.
Mel Robbins erklärt, dass die meisten Erwachsenen achtjährige Kinder in großen Körpern sind. Sie haben ihre Gefühle nicht unter Kontrolle und wissen nicht, wie sie ihre Bedürfnisse verständlich und respektvoll mitteilen können.
Es ist wichtig zu verstehen, dass emotionale Reife nicht von selbst entsteht. Es ist eine Fähigkeit, die Zeit und bewusstes Üben erfordert. Man muss den Wunsch haben, sich zu verbessern.
Das Problem ist, dass die meisten Eltern ihren Kindern beibringen, negative Gefühle zu unterdrücken, wodurch die emotionale Reifung verhindert wird. So werden die Kinder zu unreifen Erwachsenen, die das gleiche Spiel dann mit der nächsten Generation treiben. Es ist ein Teufelskreis.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, die emotionalen Reaktionen unserer Mitmenschen nicht mehr zu verurteilen, keine Angst mehr vor ihnen zu haben und mitfühlender zu werden.
Im ersten Schritt erlauben wir den anderen emotional zu reagieren, indem wir zum Beispiel das zu uns selbst sagen:
- Lass sie auf diese Weise reagieren
- Lass sie diese Emotion erleben
- Lass sie schmollen
- Lass sie das Opfer spielen
- Lass sie leugnen, was passiert ist
Dadurch bleiben wir handlungsfähig. Im zweiten Schritt können wir dann darauf aufbauen, indem wir zum Beispiel das zu uns selbst sagen:
- Lass mich hier der reife Erwachsene sein
- Lass mich entscheiden, ob ich die Sache ansprechen will oder nicht
- Lass mich mir bewusst machen, dass es nicht meine Aufgabe ist, andere vor negativen Gefühlen zu schützen
Es ist simpel, aber nicht einfach.
Manchmal müssen einfach Dinge gesagt oder getan werden, die andere verletzen oder wütend machen. Wir scheuen diesen Schritt und ziehen es vor, uns selbst Leid zuzuführen anstatt anderen wehzutun. Menschen bleiben jahrelang in falschen Jobs und schlechten Beziehungen.
Und was ist, wenn wir es sind, die ihre Gefühle nicht im Griff haben?
Mel Robbins räumt ein, dass sie sich auch hin und wieder wie eine Fünfjährige aufführt. In solchen Fällen hilft es, Selbstmitgefühl zu haben.
Wir können nicht kontrollieren, ob ein bestimmtes Gefühl auftaucht oder nicht. Wir können aber entscheiden, was wir als Reaktion auf ein Gefühl denken, sagen oder tun. Wir sollten negative Gefühle wie Ärger, Wut, Frustration, Enttäuschung und Traurigkeit in uns hochkommen lassen, anstatt sie zu unterdrücken. Denn Gefühle, die wir zulassen, verschwinden bald wieder.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen. Wir können zum Beispiel das zu uns selbst sagen:
- Lass es mich aushalten, ohne zu reagieren
- Lass mich nicht zum Handy greifen, um mich abzulenken
Mit der Let-them-Theorie aufhören, sich ständig zu vergleichen
Der Vergleich mit anderen gehört zu unserer menschlichen Natur.
Mel Robbins erklärt, dass es zwei Arten von Vergleichen gibt – eine schlechte Art, die in Zeiten von Social Media leider weitverbreitet ist, und eine gute Art, die wir uns mit der Let-them-Theorie aneignen können.
Die schlechte Art des Vergleichs ist reine Selbstquälerei
Wenn wir nur auf das schauen, was wir nicht haben, und uns in die Dinge verbeißen, die sich nicht ändern lassen, werden wir vom Glück und Erfolg der anderen gelähmt. Wenn wir den Schluss ziehen, dass das Leben ungerecht ist, sabotieren wir unsere Motivation und halten uns davon ab, Dinge in Angriff zu nehmen.
Die Folgen dieser Aufwärtsvergleiche sind ständige ungerechtfertigte Selbstzweifel, Prokrastination und ein zerstörtes Selbstwertgefühl.
Die zweite Art des Vergleichs bringt uns im Leben weiter
Es fühlt sich nicht gut an, wenn man sieht, dass jemand anderes in etwas besser ist als man selbst. Aber diese Menschen zeigen uns die Bereiche unseres Lebens, denen wir mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Der Neid und die Wut sind gut, weil Inspiration nicht ausreicht, um uns zu motivieren, etwas zu tun.
Mel Robbins betrachtet diese Gefühle als Einladung ihres zukünftigen Ichs, die andere Person genau anzuschauen, um sich zeigen zu lassen, welche Möglichkeiten es gibt, die sie bisher nicht kannte.
Wenn wir erkennen, dass jemand in etwas besser ist, sollten wir dankbar sein, weil wir etwas lernen können. Die Gewinne der anderen sind nicht unsere Verluste. Es gibt genug Glück, Erfolg, Freundschaft und Geld für alle. Die allermeisten Dinge, die wir uns wünschen, lassen sich mit Konsequenz, Geduld und harter Arbeit erreichen. Wenn man weiß, wie es geht.
Mel Robbins erklärt, wie wir die Let-them-Theorie nutzen können, um Vergleiche von einem Hindernis in unseren größten Lehrer zu verwandeln.
Im ersten Schritt akzeptieren wir die Tatsachen, indem wir zum Beispiel das hier zu uns selbst sagen:
- Lass sie mehr Glück haben
- Lass sie mich neidisch machen
- Lass sie dafür sorgen, dass ich wütend auf mich selbst bin
Im zweiten Schritt kann zum Beispiel das hier folgen:
- Lass mich den Neid und die Wut in etwas Gutes verwandeln
- Lass mich die Einzelheiten seines/ihres Erfolgs ansehen
Das Leben ist wie ein Kartenspiel – wir können nicht beeinflussen, welche Karten wir erhalten. Und es gewinnt nicht der mit den besten Karten, sondern der, der seine Karten am besten spielt.
Mit der Let-them-Theorie bessere Freundschaften haben
Wir Menschen neigen dazu, mit zunehmendem Alter immer mehr zu vereinsamen. Zwar kennen wir viele Leute, aber die Zahl unserer Freunde nimmt oft stetig ab.
Mel Robbins erklärt, dass es drei Faktoren gibt, von denen abhängt, ob aus Bekanntschaften Freundschaften werden:
- Faktor: Nähe. Die erste Voraussetzung für eine Freundschaft ist, dass man sich regelmäßig sieht. Laut einer Studie müssen wir 40-60 Stunden mit jemandem verbringen, damit sich eine lose Freundschaft entwickeln kann. Eine enge Freundschaft braucht mindestens 200 gemeinsam verbrachte Stunden
- Faktor: Die zweite Voraussetzung für eine Freundschaft ist, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Die meisten Überschneidungen gibt es, wenn man sich in der gleichen Lebensphase befindet. Darum werden Arbeitskollegen nicht automatisch zu Freunden, obwohl sie viel Zeit miteinander verbringen
- Faktor: Die dritte Voraussetzung für eine Freundschaft ist, dass man sich versteht und dass Energie fließt
Diese drei Säulen sind das unsichtbare Fundament jeder Freundschaft. Wenn auch nur eine Säule fehlt, gehen Freundschaften häufig auseinander.
Mel Robbins erklärt, dass wir einen großen Fehler machen, wenn wir erwarten, dass Freundschaften ewig halten und wir es persönlich nehmen, wenn das nicht passiert. Anstatt die Schuld bei uns selbst oder unseren ehemaligen Freunden zu suchen, sollten wir die drei Säulen analysieren.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, besser damit klar zu kommen, wenn sich eine Freundschaft verändert. Im ersten Schritt können wir zum Beispiel das hier zu uns selbst sagen:
- Lass sie wegziehen
- Lass sie seinen/ihren neuen Freunden Vorrang geben
- Lass sie keine Zeit mehr für mich haben
- Lass sie mir keine Nachrichten schreiben
Im zweiten Schritt können wir dann entscheiden, was wir tun wollen.
Neue Freunde finden
Mel Robbins erklärt, dass wir das Thema Freundschaften im Erwachsenenalter grundlegend anders angehen müssen, als wir es in der Schul- und Studienzeit getan haben. Damals waren wir viele Stunden pro Tag von Gleichaltrigen umgeben, mit denen wir schon deswegen viele gemeinsame Interessen hatten, weil wir im selben Boot saßen. Darum haben sich ganz automatisch tiefe Freundschaften entwickelt.
Im Erwachsenenalter versorgt uns unsere Umgebung nicht mehr automatisch mit Freunden. Wir brauchen einen flexibleren und proaktiveren Ansatz.
Wenn wir an einen neuen Ort kommen, an dem wir niemanden kennen, sollten wir damit rechnen, dass es ein Jahr dauert, bis wir echte Freunde gefunden haben. Die Bekanntschaften, die sich zu Freundschaften entwickeln, werden aber nicht vom Himmel fallen. Wir müssen sie aktiv knüpfen.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen Kontakte zu knüpfen:
- Lass mich derjenige sein, der sich als erstes vorstellt
- Lass mich Fremden Komplimente machen
- Lass mich neugierig sein und den Leuten Fragen stellen
- Lass mich jeden, dem ich begegne, anlächeln und Hallo sagen
- Lass mich an interessanten Events und Gruppenkursen teilnehmen, um ähnlich Interessierte kennenzulernen
Später kann uns die Let-them-Theorie dabei helfen, unsere neuen Beziehungen zu festigen:
- Lass mich die Leute, mit denen ich mich gut verstehe, danach fragen, ob wir einen Kaffee trinken oder einen gemeinsamen Spaziergang machen wollen
- Lass mich diejenigen, mit denen ich etwas Zeit verbracht habe, fragen, ob sie als Teil einer Gruppe interessante Events besuchen wollen
Mit der Let-them-Theorie andere dazu bringen, sich zu ändern
Wenn unsere Liebsten schlechte Gewohnheiten pflegen oder wünschenswertes Verhalten unterlassen, neigen wir dazu, sie ändern zu wollen. Der Versuch, andere zu ändern, geht aber meist nach hinten los.
Wir unterliegen oft der falschen Annahme, dass es anderen leichtfallen würde, sich zu ändern und es nur ein bisschen Druck braucht. Tatsächlich ist es aber schwer, und die Betroffenen setzen sich selbst schon genug unter Druck.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Menschen das Gefühl brauchen, dass sie selbst entscheiden. Darum löst der Versuch, jemanden zu etwas zu drängen, eine automatische Widerstandsreaktion aus. Wenn das passiert, wird die gewünschte Veränderung noch unwahrscheinlicher. Denn wenn sich die Person irgendwann in Zukunft ändern sollte, wird sie zugeben müssen, dass wir recht hatten.
Wenn es so aussieht, als ob jemand keine Lust hat, sich zu ändern, bedeutet das nicht, dass die Person faul ist und/oder nicht das Bedürfnis verspürt, sich zu ändern. Viel wahrscheinlicher ist, dass er oder sie sich entmutigt fühlt, dass er oder sie das Gefühl hat, sich nicht ändern zu können, dass er oder sie glaubt, dass es nicht funktionieren wird und/oder dass es zu schwer ist.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, konstruktiver mit unserem Wunsch umzugehen, dass sich jemand ändern möge. An unserem Wunsch gibt es nichts auszusetzen. Das Problem ist, dass wir die Sache falsch angehen.
Die einzige Person, deren Verhalten wir ändern können, sind wir selbst. Darin liegt unsere Macht. Im ersten Schritt akzeptieren wir die andere Person so, wie sie ist, indem wir zum Beispiel das hier zu uns selbst sagen:
- Lass sie einem eigenen Zeitplan folgen
- Lass sie in im Job versagen
- Lass sie rauchen
- Lass sie Versprechen machen, die sie nicht einhalten
- Lass sie unordentlich sein
- Lass sie ihr Leben führen
Indem wir die Füße stillhalten, vermitteln wir der anderen Person, dass wir darauf vertrauen, dass sie selbst herausfindet, wie sie sich ändern kann.
Im zweiten Schritt sagen wir zu uns selbst:
- Lass mich die Wissenschaft nutzen, um ihn/sie zu inspirieren
Mel Robbins erklärt, dass unsere Chance darin besteht, der anderen Person aktiv vorzuleben, dass die gewünschte Verhaltensänderung leicht ist und Spaß macht. Mit anderen Worten: Wir tun das, was wir uns von der anderen Person wünschen.
Dieses Vorgehen ist effektiv, erfordert aber Geduld, da es einige Zeit braucht, bis der positive soziale Einfluss im Gehirn der anderen Person wirkt. Wir sollten der Aktion mindestens sechs Monate Zeit geben. Außerdem sollten wir keinerlei Erwartungen haben. Andernfalls würden wir es der anderen Person übel nehmen, falls unser Plan nicht funktioniert.
Mel Robbins hat auch noch eine fortgeschrittenere Beeinflussungstechnik in ihrem Arsenal. Die von ihr selbst geschaffene ABC-Schleife kombiniert das, was laut Experten am besten funktioniert, in drei Schritten:
Schritt #1: Apologize (sich entschuldigen)
Zunächst müssen wir für uns selbst herausfinden, warum uns das Verhalten der anderen Person so sehr stört. Dann sprechen wir mit der anderen Person und nutzen dabei eine Technik, die „motivierende Gesprächsführung“ genannt wird. Sie hat sich in der klinischen Anwendung als äußerst effektiv erwiesen.
Zunächst entschuldigen wir uns dafür, dass wir die anderen Person wegen ihres Verhaltens unter Druck gesetzt haben. Dann stellen wir ihr offene Fragen, die sie dazu bringen, über die Diskrepanz zwischen ihrem derzeitigen Verhalten und ihren Wünschen und Zielen nachzudenken. Wir kommentieren ihre Antworten nicht, sondern stellen einfach nur weitere Fragen.
Unser Ziel ist nicht, die andere Person dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen, sondern in ihr ein Gefühl von Unbehagen entstehen zu lassen, das sie später dazu motivieren könnte, ihr Verhalten zu ändern.
Schritt #2: Behavior (Verhalten)
Wir sollten nicht erwarten, dass die andere Person sofort aktiv wird. Es dauert eine Weile, bis sich das Unbehagen in Motivation verwandelt hat. Wir halten uns derweil zurück und beobachten das Geschehen, während wir mit gutem Beispiel vorangehen und die gewünschte Verhaltensänderung leicht aussehen lassen.
Schritt #3: Celebrate (Feiern)
Wir feiern jeden Fortschritt der anderen Person, indem wir ihr Komplimente machen. Unmittelbare positive Belohnungen verstärken die Motivation.
Mit der Let-them-Theorie Menschen helfen, die schwerwiegende Probleme haben
Im vorherigen Kapitel hat Mel Robbins erklärt, dass und wie wir unsere Liebsten inspirieren können, sich ändern zu wollen. Falls das Verhalten der anderen Person jedoch gefährlich oder sogar selbstzerstörerisch ist, müssen wir dem einen Riegel vorschieben. Ein solches Verhalten dürfen wir nicht zulassen.
Wie können wir jemandem helfen, der zu kämpfen hat?
Mel Robbins erklärt, dass wir nicht versuchen dürfen, die Person zu „retten“, indem wir sie vor den negativen Auswirkungen ihres Handelns bewahren. Wirklich zu helfen bedeutet, sie die natürlichen Folgen ihres Verhaltens spüren zu lassen, weil das für die Heilung notwendig ist.
Wir dürfen ihr Verhalten nicht fördern, sollten die Person aber unterstützen. Sie zu unterstützen bedeutet, dass wir ihr den Raum und die Tools geben, die sie braucht, um sich selbst zu helfen. Fördern würde bedeuten, dass wir etwas tun würden, das den Schmerz betäubt. Die Linie zwischen beidem ist sehr dünn.
Was wir auch nicht tun sollten, ist über die andere Person zu Urteilen. Denn das würde als Druck wahrgenommen werden und bewirken, dass die Person ihre Probleme aus Scham leugnet oder vor uns versteckt.
Unser stärkster Hebel ist die Frage, wofür wir Geld ausgeben. Wenn wir jemanden finanziell unterstützen, sollten wir daher Bedingungen formulieren. Und manchmal ist das Beste, was wir für eine andere Person tun können, den Geldhahn zuzudrehen, damit sie mit der Realität konfrontiert wird. Dadurch lehren wir sie, dass sie dazu fähig sind, ihres Probleme selbst zu lösen.
„Jemanden zu lieben bedeutet auch, ihn etwas auf die harte Tour lernen zu lassen.“
Falls es um unser minderjähriges Kind geht, sind wir natürlich dafür verantwortlich, es in finanzieller, emotionaler und physischer Hinsicht zu unterstützen. Gegenüber Erwachsenen haben wir diese Verantwortung nicht. (Die Autorin weist darauf hin, dass Menschen zwar mit 18 volljährig sind, aber bis 25 Führung brauchen, da das Gehirn noch nicht voll ausgereift ist.)
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, das Richtige zu tun.
Mit der Let-them-Theorie bessere Liebesbeziehungen führen
Im Liebesleben gibt es eine Falle: Wir sehnen uns so sehr danach, geliebt zu werden, dass wir dazu neigen, unsere Ansprüche zu senken und uns mit weniger zufriedengeben, als wir wollen und brauchen.
Die Autorin teilt das Liebesleben in drei Bereiche ein: Dating, Beziehung und Trennung.
Dating
Beim Dating geht es zunächst weniger darum, die richtige Person zu finden, als vielmehr darum, herauszufinden, was wir mögen und was uns nicht gefällt.
Wenn wir eine Person gefunden haben, die für uns passen könnte, ist es wichtig zu verstehen, dass nicht ihre Worte, sondern ihre Taten zeigen, wie sehr sie an uns interessiert ist.
Unklarheit bedeutet, dass ihr Interesse geringer das unsere ist. Es ist klug, das zu akzeptieren und weiterzuziehen. Denn je mehr Zeit wir damit verschwenden, den Falschen nachzulaufen, desto länger dauert es, bis wir die richtige Person finden.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, effektiver zu daten. Im ersten Schritt können wir uns vor falschen Hoffnungen bewahren, indem wir beispielsweise das hier zu uns selbst sagen:
- Lass sie unklare Signale senden
- Lass sie versuchen, mich zappelt zu lassen
- Lass sie ständig schreiben
Und im zweiten Schritt:
- Lass mich aufwachen und ehrlich zu mir selbst sein
- Lass mich zugeben, dass das nirgends hinführt
- Lass mich jemanden vergessen, der sich nicht ganz auf mich einlässt
Falls wir feststellen, dass wir immer nur an Menschen interessiert sind, die sich nicht fest binden wollen, obwohl wir eine feste Beziehung anstreben, sollten wir mit einem Therapeuten sprechen.
Beziehung
Mel Robbins erklärt, dass wir uns in jeder Paarbeziehung irgendwann fragen werden, ob wir dasselbe wollen und dieselben Erwartungen haben wie unser Partner. Wenn diese Frage aufkommt, sollten wir ein Gespräch suchen, um herauszufinden, wo wir stehen und ob die Beziehung unsere Zeit wert ist.
Mel Robbins weist darauf hin, dass nichts und niemand perfekt ist und sich jede Beziehung mit der Zeit verändert. Kompromisse sind daher unerlässlich.
Paarbeziehungen können dauerhaft funktionieren, wenn beide dazu bereit sind, an der Beziehung zu arbeiten, um sie zu verbessern, und wenn niemand seine Träume aufgeben oder seine Werte verraten muss.
Wir sollten unseren Partner lieben und nicht nur das, was er einmal war oder in Zukunft vielleicht werden könnte.
Wenn uns etwas an unserem Partner stört, können wir die ABC-Schleife anwenden, um ihn zu inspirieren, sich zu ändern. Falls sich nach einem halben Jahr noch nichts getan hat, sollten wir uns fragen, ob wir die Person so akzeptieren können, wie sie ist. Falls ja, sollten wir aufhören, herumnörgeln.
(Falls unser Partner wegen der logischen Folgen seines schlechten Verhaltens rumjammert, dürfen wir seine Klagen selbstverständlich ignorieren.)
Falls wir das schlechte Verhalten nicht akzeptieren können, sollten wir uns konsequenterweise trennen.
Trennung
Mel Robbins erklärt, dass es mit das Schwerste ist, sich einzugestehen, dass eine Beziehung nicht funktioniert. Häufig weiß man nicht, woran genau es liegt, sondern spürt nur, dass es sich falsch anfühlt.
Eine Trennung tut weh, weil in unserem Nervensystem alles mit der anderen Person verbunden ist. Unser Gehirn muss verlernen, wie es war, mit der Person zusammen zu sein.
Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge dauert die Verarbeitung einer Trennung mindestens drei Monate. Während der ersten 30 Tage sollten wir gar keinen Kontakt haben, um die alten Muster nicht ständig zu aktivieren, was das Umlernen verzögern würde. Nicht die Zeit heilt unsere Wunden, sondern wie wir die Zeit nutzen.
Die Let-them-Theorie kann uns dabei helfen, die schwere Zeit nach einer Trennung besser zu überstehen. Wir können zum Beispiel das hier zu uns selbst sagen:
- Lass mich mein eigenes Glück an erste Stelle setzen
- Lass mich meine Träume mit Leidenschaft verfolgen
- Lass mich Grenzen setzen, die mich schützen
- Lass mich Beziehungen eingehen, die mich erheben und inspirieren
- Lass mich gehen, wenn es nicht mehr funktioniert
Am wichtigsten ist es, zu verstehen, dass wir für unser Glück selbst verantwortlich sind. Niemand schuldet uns etwas, doch wir schulden uns alles.
Meine Empfehlung:
Fazit
Es kommt nicht darauf an, was passiert, sondern was wir aus den Geschehnissen machen. Vor diesem Hintergrund ist Mel Robbins’ Let-them-Theorie eine geniale Gedächtnisstütze, die es maximal einfach macht, das Richtige zu tun.



