Wettbewerbswidrige Schrottbücher übernehmen den Ratgebermarkt (2021)

14. August 2021

Die Schrottbuch-Epidemie entwickelt sich zu einer ernsthaften Bedrohung für alle seriösen Verlage und Autoren.

Schrottbücher – Was ist das?

Der Begriff »Schrottbuch« hat sich für Ratgeberbücher etabliert, die diese beiden Merkmale aufweisen:

  1. Es wird behauptet, das Buch sei von einem qualifizierten Experten geschrieben worden, doch in Wahrheit ist der Experte (samt Qualifikationen) frei erfunden.
  2. Massenhaft positive Fake-Rezensionen vermitteln den Eindruck, dass bereits tausende Leser hellauf begeistert seien.

Die Schrottbücher überfluten den Ratgebermarkt bei Amazon. Und sie verkaufen sich unfassbar gut.

Wie das Geschäftsmodell mit den Schrottbücher funktioniert, hatte ich in meinem Blogartikel Die Zerstörung der Fake-Ratgeber dokumentiert. Der Artikel ging Anfang 2020 viral und brachte tausende Leser und Autoren auf die Palme.

Doch die Schrottbücher florieren weiterhin – nicht zuletzt, weil die Methoden der Schrottbuch-Publisher aggressiver geworden sind.

Inhalte dieses Artikels:

  • Wie eine angebliche Rechtsabteilung der Schrottbuch-Publisher unschuldige Rezensenten bedroht.
  • Wie man in nur 10 Sekunden überprüfen kann, ob die positiven Rezensionen eines Ratgeberbuches authentisch oder fake sind.
  • Wie die Schrottbuch-Publisher ihre Konkurrenten und Kritiker sabotieren.
  • Was wir alle gegen die Schrottbücher unternehmen können.

Wie die Schrottbuch-Publisher ehrliche Rezensenten bedrohen

In den letzten Monaten wurde ich von einer zweistelligen Anzahl an Personen kontaktiert, die alle die gleiche Droh-E-Mail von einer angeblichen Rechtsabteilung erhalten hatten. Zuvor hatten sie eine negative Rezension zu einem Schrottbuch abgegeben.

Die E-Mails wurden von dieser Adresse abgesendet: autoren.recht@gmail.com.

Und das ist ihr Inhalt:

Wer nicht löscht, wird erneut bedroht:

Zwei Rezensenten von Schrottbüchern des Fake-Experten Konrad Sewell schreiben sogar in ihren Rezensionen, dass sie eine Droh-E-Mail erhalten haben:

Alle mir bekannten Empfänger dieser Droh-E-Mails haben eines gemeinsam: Die Bücher, die sie negativ rezensiert hatten, stammen von drei Publishern, die miteinander in Verbindung stehen. Die Pseudonyme, in deren Namen diese Publisher ihre Schrottbücher bei Amazon vertreiben, habe ich im Anhang dieses Artikels aufgelistet.

Der Absender der E-Mails scheint in der Lage zu sein, an die Namen und E-Mail-Adressen von Rezensenten zu gelangen. Auf welchem Wege dies geschieht und ob der Absender in den Besitz weiterer persönlicher Daten gelangt ist, ist nicht bekannt.

Eine mögliche Erklärung wäre ein menschliches Datenleck bei Amazon. Laut dieser Quelle musste Amazon in der Vergangenheit bereits Mitarbeiter feuern, weil sie Kundendaten an Dritte weitergegeben hatten.

Fake-Rezensionen bei Ratgebern erkennen (Dauer: 10 Sekunden)

In meinem zweiten Schrottbuch-Artikel Die Zerstörung der gekauften Rezensionen hatte ich dokumentiert, was es mit den Rezensionen der Schrottbücher auf sich hat.

Zumeist beziehen die Schrottbuch-Publisher ihre Fake-Rezensionen durch sogenannten »Rezi-Tausch« oder von virtuellen Assistenten (VAs). Diese freischaffenden Rezensions-Dealer beschäftigen ein Netzwerk von einigen Dutzend bis mehreren Hundert Rezensenten.

Mit einer Methode, die ich im Folgenden vorstellen werde, lässt sich in unter 10 Sekunden überprüfen, ob die Rezensionen zu einem Ratgeberbuch authentisch oder fake sind. Dabei kommt die Website Reviewmeta zum Einsatz, jedoch setzen wir sie anders ein, als sie üblicherweise eingesetzt wird.

Wichtig: Die folgende Methode ist nur bei Ratgeberbüchern zuverlässig, die zumindest eine mittlere zweistellige Anzahl an Rezensionen erhalten haben.

Ich möchte die Methode einmal beispielhaft an dem Buch Die Kunst der Psychologie von Annika Durand demonstrieren.

Schritt 1: Die Verkaufsseite des Buches bei Amazon aufrufen und die URL in die Zwischenablage kopieren (Strg+C).

Schritt 2: Die Website Reviewmeta aufrufen.

Schritt 3: Die URL aus der Zwischenablage in das dafür vorgesehene Feld bei Reviewmeta einfügen (Strg+V) und auf »Run Report« klicken.

Schritt 4: Den oberen Teil der Auswertung bitte ignorieren. Stattdessen direkt zu dem Punkt »Overlapping Review History« herunterscrollen und durch einen Klick auf »Show more« den vollständigen Bericht öffnen.

Bei dem Buch Die Kunst der Psychologie sieht der Bericht folgendermaßen aus:

Es werden neun Bücher anderer Autoren angezeigt, die von den Rezensenten des Buches Die Kunst der Psychologie ebenfalls rezensiert wurden.

Wir interessieren uns für die Prozentangaben. Bei Durands Buch liegen diese alle bei rund 60 Prozent. Zum Beispiel haben 60 Prozent der Rezensenten von Durands Buch auch das Buch Daytrading für Einsteiger von Robert A. Wilson rezensiert (siehe oben rechts). Und 59 Prozent haben das Buch Gebärdensprache von Karina Schneider rezensiert (unten rechts).

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet:

Wie glaubhaft ist es, dass jeweils 65 von 111 echten Lesern, die Durands Psychologie-Ratgeber rezensiert haben, auch ein und dasselbe Buch über Daytrading und ein und dasselbe Buch über Gebärdensprache gekauft, gelesen und rezensiert haben?

Bei den Schrottbüchern zeigt sich immer wieder dieses auffällige Muster. Selbstverständlich beweist das alles nicht, dass die Rezensenten bezahlt wurden. Jedoch ist mir bisher keine andere Erklärung dafür eingefallen.

Das alles deutet darauf hin, dass die Rezensionen dieser Bücher aus ein und derselben Quelle bezogen wurden.

Man könnte leicht auf die Idee kommen, dass in diesem konkreten Fall etwa 60 Prozent der Rezensionen aus dieser Quelle stammen. Der tatsächliche Anteil dürfte deutlich höher liegen, denn nicht jeder Rezensent der Quelle rezensiert jedes Schrottbuch.

Am Beispiel von Napoleon Hills Denke nach und werde reich möchte ich einmal zeigen, wie gering die Überlappungen der Rezensenten bei Büchern ist, die mit großer Sicherheit keine gekauften Rezensionen haben, weil sie es schlicht nicht nötig haben:

Was wir bei dem Buch Denke nach und werde reich sehen, ist das zu erwartende Zufallsrauschen: Zahlen im kleinen einstelligen Prozentbereich.

Hingegen kann das Muster, das wir bei Schrottbüchern wie Annika Durands Die Kunst der Psychologie sehen, unmöglich auf natürlichem Wege entstehen. (Und Amazon kann dieses Muster unmöglich übersehen.)

Der Schaden, den die Schrottbücher ehrlichen Büchern zufügen, geht weit über das Offensichtliche hinaus. Die Fake-Rezensionen würden den Schrottbüchern selbst dann noch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn sich niemand von ihnen beeinflussen ließe.

Über die Fake-Rezensionen erhalten die Schrottbücher weitere unfaire Wettbewerbsvorteile

Da die Rezensenten der Schrottbücher immer wieder die gleichen sind, und da sie die Bücher kaufen, bevor sie sie rezensieren, erhalten die Schrottbücher kostenlose Sichtbarkeit. (Zum Beispiel über die kostenlosen Werbeplätze unter »Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kauften auch« sowie unter »Wird oft zusammen gekauft«.)

Aufgrund ihrer Fake-Rezensionen sind die verschiedenen Schrottbücher ein und desselben Publishers Pseudonym-übergreifend stark vernetzt. Deshalb empfiehlt Amazon auf den oben genannten kostenlosen Werbeplätzen überwiegend Bücher des gleichen Publishers sowie Bücher von Publishern, die die gleichen Rezensenten beauftragt haben.

Diese Vernetzung ist bares Geld wert, denn sie reduziert Streuverluste bei bezahlten Werbeanzeigen. Folglich können sich die Schrottbuch-Publisher höhere Gebote leisten. Und das bedeutet noch mehr Marktmacht für die Schrottbücher.

Übrigens scheinen die mutmaßlich bezahlten Rezensenten der Schrottbücher zumeist die Kindle-Versionen zu kaufen, die extra zu diesem Zweck für kurze Zeit auf 99 Cent reduziert werden. Und um Amazons Suchalgorithmus zu manipulieren, werden die Rezensenten damit beauftragt, die Bücher vor dem Kauf über bestimmte Suchbegriffe zu suchen.

All das reicht aus, um Bücher in die Charts zu bringen, die unter fairen Bedingungen nicht den Hauch einer Chance hätten. So erreichte etwa das unter dem Pseudonym Annika Durand publizierte Schrottbuch Die Kunst der Psychologie den zweiten Platz der Amazon-Bestsellerliste.

Schrottbücher sind keine Randerscheinung

Die Schrottbücher dominieren bereits zahlreiche Nischen – darunter auch Nischen, bei denen man sich wünschen würde, dass sie mit den Büchern echter Experten besetzt sind.

Dazu drei Beispiele:

#1: Depressionen überwinden

Im Mai 2021 stammten nur vier der 16 Bücher, die zu dem Suchbegriff »Depressionen überwinden« auf der ersten Seite der Suchergebnisse angezeigt wurden, von real existierenden Experten, die keine Fake-Rezensionen einsetzten. (Wenn man die bezahlten Werbeanzeigen mitzählt, ist der Schrottbuch-Anteil sogar noch größer.)

In einem Video zeige ich Schritt für Schritt, wie ich zu diesem Ergebnis gekommen bin. Klicke hier, um das 60-minütige Video bei YouTube anzusehen.

#2: Vagus Nerv

Zum Suchbegriff »Vagus Nerv« stammten im Mai 2021 sogar nur zwei der 16 Bücher auf der ersten Seite von real existierenden Autoren, die keine Fake-Rezensionen einsetzten.

Vagus Nerv klingt medizinisch und sollte für Fake-Experten tabu sein. Diese Rezension zu dem Buch Stimulieren Sie Ihren Vagus Nerv des Fake-Experten Dr. Alessio Rammer sollte uns zu denken geben:

Doch potenziell wichtige Rezensionen wie diese werden von unzähligen mutmaßlich gekauften Fake-Rezensionen übertönt.

Die große Mehrzahl davon stammt von Rezensenten, die bereits Hunderte oder sogar mehr als tausend Rezensionen mit fast ausnahmslos fünf Sternen abgegeben haben. Diese Rezensenten bewerten praktisch ausschließlich Schrottbücher, oftmals mehrere pro Tag.

Informationen über einzelne Rezensenten erhält man, indem man Reviewmeta mit der URL zu deren Profil füttert. Auf diese Weise erfährt man zum Beispiel, dass der  bei den Schrottbüchern gefühlt allgegenwärtige Rezensent »Blackbiggy« im Durchschnitt einmal pro Tag 4,9 Sterne vergibt:

Zahlen wie diese sind typisch für die Rezensenten, die die Schrottbücher zu Hunderten rezensieren.

#3: Lernmethoden

Auch hier überwiegen die Schrottbücher. Die Mehrheit von ihnen verkauft den Lesern sogenannte Lerntypen als Gamechanger. Tatsächlich sind Lerntypen nur ein Mythos, für den es keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Genau das ist das Problem mit den von unqualifizierten Billig-Ghostwritern geschriebenen und mit Hilfe von Fake-Rezensionen hochgepushten Schrottbüchern:

Die Schrottbücher verbreiten Mythen, Verschwörungstheorien, Fake-News und unseriöse Heilsversprechen. Außerdem verdrängen sie die Bücher echter Experten aus den Suchergebnissen und Bestsellerlisten.

Da aber authentische Rezensionen übertönt oder sogar aktiv bekämpft werden, ist es extrem schwer, gegen den Lärm der Fake-Rezensionen anzukommen.

Die Sabotage von Konkurrenten und Kritikern

Wenn ein unterlegener Spieler um jeden Preis gewinnen will, dann wird er zuerst die Regeln brechen. Und wenn das nicht mehr hilft, dann sabotiert er seine Kontrahenten, damit auch die nicht mehr gewinnen können.

Immer öfter berichten ehrliche Ratgeber-Autoren von absurden negativen Rezensionen, die ihrer Ansicht nach nur von Konkurrenten stammen können. Ich habe das lange nicht geglaubt, bis es auch mir passiert ist.

Obwohl mein neues Buch Überflieger-Formel (ein Lernratgeber für Studenten) erst seit einer Woche auf dem Markt ist, hat es schon sechs 1-Sterne-Rezensionen erhalten. Ihr Inhalt: unwahre Tatsachenbehauptungen, die offenbar dazu dienen sollen, potenzielle Käufer vom Kauf des Buches abzuhalten. Mit gestellten Fotos und Nützlich-Klicks wird versucht, den Rezensionen mehr Gewicht zu geben.

Zwei der sechs Rezensenten greifen mich wegen meines Blogartikels Die Zerstörung der Fake-Ratgeber an. Damit ist klar, aus welcher Ecke der Hass kommt.

Es ist nicht das erste Mal. Bereits kurz nachdem mein erster Schrottbuch-Artikel vor eineinhalb Jahren viral gegangen war, erschienen mehrere Verleumdungs- und Hass-Rezensionen zu meinen Büchern. Außerdem wurde ich in anonymen Kommentaren verleumdet und bedroht. (Dem Hass steht eine mittlere dreistellige Anzahl an positiven Rückmeldungen gegenüber.)

Hass-Rezensionen mit unwahren Tatsachenbehauptungen sind eine Tretmine für ehrliche Rezensenten

Letztere haben oftmals das Bedürfnis, die unwahren Tatsachenbehauptungen richtigzustellen. Doch wer in seiner Rezension andere Rezensenten anspricht, verstößt gegen Amazons Community-Richtlinien. Die Folge: Die ehrliche Rezension wird gelöscht. Im Wiederholungsfall kann sogar der Account gesperrt werden.

Noch scheint Amazon die Schrottbuch-Publisher zu dulden – obwohl sie tausendfach gegen Richtlinien verstoßen. Es ist zu hoffen, dass dem gesamten Schrott im Rahmen einer großen Säuberung der Garaus gemacht wird. Wenn man den jüngsten Meldungen Glauben schenkt, könnte es bald soweit sein. Aber wir sollten uns nicht darauf verlassen.

Was wir schon jetzt gegen Schrottbücher tun können

Als Belogener: Wer auf ein Schrottbuch hereingefallen ist, sollte es retournieren und eine sachliche Rezension hinterlassen. Darüber hinaus helfen Nützlich-Klicks auf bereits existierende Rezensionen, deren Aussagen man teilt.

Als Empfänger einer Droh-E-Mail: Wer eine Droh-E-Mail der »Rechtsabteilung namhafter Autoren« erhalten hat, kann dies zur Anzeige bringen. Dafür muss man nicht einmal die Wohnung verlassen, denn Anzeigen lassen sich auch online aufgeben. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, den Vorfall auch der zuständigen Datenschutzbehörde zu melden.

Als Verlag: Es wäre langsam an der Zeit, dass große Verlage ihre Rechtsabteilungen auf die Fake-Rezensionen der Schrottbuch-Publisher ansetzen.

Als Autor: Wenn ihr über E-Mail-Listen und/oder Social Media mit euren Lesern in Kontakt treten könnt, dann klärt sie über die Schrottbücher auf. Positiver Nebeneffekt: Wenn ihr euch öffentlich von Schrottbüchern distanziert, wird man euch und euren Werken mehr vertrauen.

Anhang: Fake-Experten

Matthias Brandt ist angeblich Management-Trainer mit jahrelanger Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Matthias Brandt sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Zeit-, Selbst- und Projektmanagement zu schreiben. Tatsächlich ist Matthias Brandt aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Durand ist angeblich gefragte Expertin für politische Verhandlungen im europäischen Wirtschafsraum. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Annika Durand sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Psychologie und Kommunikation zu schreiben. Tatsächlich ist Annika Durand aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

William Lakefield ist angeblich studierter Wirtschaftsingenieur, der an der Wall Street gearbeitet haben soll. Sein Expertenwissen über Aktien soll ihn zum Multimillionär gemacht haben. Angeblich soll er sogar Millionenbeträge für gute Zwecke gespendet haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre William Lakefield sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist William Lakefield aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Victoria Lakefield soll bereits Seminare im Bereich Psychologie abgehalten haben. Angeblich verfügt sie über ein hervorragendes Verständnis der menschlichen Psyche. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Victoria Lakefield vielleicht qualifiziert, Ratgeber für Personen mit Depressionen und Angststörungen zu schreiben. Tatsächlich ist Victoria Lakefield aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Konrad Sewell wurde bis 2020 als promovierter Jurist vorgestellt. Aktuell ist Konrad Sewell angeblich zertifizierter Unternehmenssanierer, Mediator und Coach, der 2007 auch eine Weiterbildung im Bereich Psychologie und Verhaltensweisen absolviert haben soll. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Konrad Sewell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Konrad Sewell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Robert A. Wilson soll dank seines Know-hows erfolgreich an der Börse spekuliert haben. Um den Menschen etwas zurückzugeben, schreibt der angebliche Millionär seit 2019 Ratgeberbücher, die seine Mitmenschen in Krisenzeiten unterstützen sollen. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Robert A. Wilson sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist Robert A. Wilson aber frei erfunden. Er existiert nicht.

David Campbell hat angeblich Psychologie studiert und soll heute als Berater, Life Coach und Autor tätig sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre David Campbell sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist David Campbell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Justus Kronfeld soll angeblich Psychologie studiert und zahlreiche Seminare im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung besucht und gegeben haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Justus Kronfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Justus Kronfeld aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Theodor Roswell soll angeblich Tierpsychologie studiert haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Theodor Roswell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher über Hundeerziehung zu schreiben. Tatsächlich ist Theodor Roswell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Johanna Schönfeld soll angeblich Psychotherapeutin sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Johanna Schönfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Johanna Schönfeld aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Damian Collins soll seit zwei Jahrzehnten als selbstständiger Privatcoach und für internationale Business-Moguln und hochrangige Manager in namhaften Unternehmen arbeiten. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Damian Collins sicherlich qualifiziert, Ratgeber für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Damian Collins aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Vincent Matthiesen soll Wirtschaftswissenschaften studiert haben und ihm zarten Alter von 26 Jahren Millionär geworden sein. Angeblich leitet er heute sechs erfolgreiche Unternehmen. Wenn das stimmen würde, wäre Vincent Matthiesen sicherlich qualifiziert, Bücher für Gründer und Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Vincent Matthiesen aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Ebenstein ist angeblich Autodidaktin, die nun als selbstständige Trainerin und Coach arbeitet. Wenn das der Wahrheit entspräche, dann wäre Annika Ebenstein möglicherweise qualifiziert, Ratgeber über Depressionen, Angststörungen und Panikattacken und schreiben. Tatsächlich ist Annika Ebenstein aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Julia Sanders soll die Autorin einiger Bücher über Kindererziehung sein. Angeblich ist sie dazu qualifiziert, weil sie beruflich mit Kindern zu tun hatte. Tatsächlich ist Julia Sanders aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Johannes Lichtenstein liest angeblich jede Woche zwei Bücher, weshalb er über ein enormes Allgemeinwissen verfügt. Auch soll er neben Wikipedia-Artikeln bereits mehrere Bestseller über Lerntechniken geschrieben haben. Sein angebliches Ziel ist, es Menschen dabei zu helfen, mit Allgemeinwissen zur Elite der Gesellschaft aufzusteigen (sic!). Der angebliche Bestsellerautor Johannes Lichtenstein ist frei erfunden. Er existiert nicht.

Weitere Fake-Autoren, die ebenfalls über mutmaßlich gekaufte Rezensionen, aber nicht über erfundene berufliche Qualifikationen verfügen: Ben J. Morris, Kristin Berger-Loewenstein, Tom Bramfeld, Marius Behrlund, Tamara Naumann, Elias Theodorakis, Arthur Beringstein, Elisabeth Silberstern, Karina Schneider, Anna-Marie Liebtal, Emilia Morel, Marie Sommer, Andrew Bramstone, Manuel Nikolaidis, Leonard Winter und Emma Lavie.

Auch die Bücher, die unter den Labels PureCure (angeblich steckt ein Kollektiv erfahrener Heilpraktiker hinter PureCure), Vital Experts (angeblich steckt ein Unternehmen dahinter, das von vier Ernährungsberatern gegründet wurde), Books-World, FitLife (angeblich ein Zusammenschluss aus unabhängigen Experten für vielfältige Gesundheitsthemen), Travel World, MyBrain, Kid’s Planet, Rezepte Profis, Sprachinsel, Code Campus, World of Finance und Animal World veröffentlicht werden, scheinen nicht – wie behauptet – von qualifizierten Experten, sondern von Billig-Ghostwritern geschrieben zu werden. Und auch hier stammen die positiven Rezensionen von den immer gleichen Rezensenten.

Mein Bezug zum Thema: Ich schreibe selbst Ratgeberbücher, in die ich sehr viel Zeit und Mühe investiere. Außerdem liebe ich es, gute Bücher zu lesen.

Dieser Beitrag darf gerne im Netz verbreitet werden. Je mehr Leser von den oben dargelegten wettbewerbswidrigen und die Leser täuschenden Praktiken der Schrottbuch-Publisher erfahren, umso besser.

Die Schrottbuch-Epidemie entwickelt sich zu einer ernsthaften Bedrohung für alle seriösen Verlage und Autoren.

Schrottbücher – Was ist das?

Der Begriff »Schrottbuch« hat sich für Ratgeberbücher etabliert, die diese beiden Merkmale aufweisen:

  1. Es wird behauptet, das Buch sei von einem qualifizierten Experten geschrieben worden, doch in Wahrheit ist der Experte (samt Qualifikationen) frei erfunden.
  2. Massenhaft positive Fake-Rezensionen vermitteln den Eindruck, dass bereits tausende Leser hellauf begeistert seien.

Die Schrottbücher überfluten den Ratgebermarkt bei Amazon. Und sie verkaufen sich unfassbar gut.

Wie das Geschäftsmodell mit den Schrottbücher funktioniert, hatte ich in meinem Blogartikel Die Zerstörung der Fake-Ratgeber dokumentiert. Der Artikel ging Anfang 2020 viral und brachte tausende Leser und Autoren auf die Palme.

Doch die Schrottbücher florieren weiterhin – nicht zuletzt, weil die Methoden der Schrottbuch-Publisher aggressiver geworden sind.

Inhalte dieses Artikels:

  • Wie eine angebliche Rechtsabteilung der Schrottbuch-Publisher unschuldige Rezensenten bedroht.
  • Wie man in nur 10 Sekunden überprüfen kann, ob die positiven Rezensionen eines Ratgeberbuches authentisch oder fake sind.
  • Wie die Schrottbuch-Publisher ihre Konkurrenten und Kritiker sabotieren.
  • Was wir alle gegen die Schrottbücher unternehmen können.

Wie die Schrottbuch-Publisher ehrliche Rezensenten bedrohen

In den letzten Monaten wurde ich von einer zweistelligen Anzahl an Personen kontaktiert, die alle die gleiche Droh-E-Mail von einer angeblichen Rechtsabteilung erhalten hatten. Zuvor hatten sie eine negative Rezension zu einem Schrottbuch abgegeben.

Die E-Mails wurden von dieser Adresse abgesendet: autoren.recht@gmail.com.

Und das ist ihr Inhalt:

Wer nicht löscht, wird erneut bedroht:

Zwei Rezensenten von Schrottbüchern des Fake-Experten Konrad Sewell schreiben sogar in ihren Rezensionen, dass sie eine Droh-E-Mail erhalten haben:

Alle mir bekannten Empfänger dieser Droh-E-Mails haben eines gemeinsam: Die Bücher, die sie negativ rezensiert hatten, stammen von drei Publishern, die miteinander in Verbindung stehen. Die Pseudonyme, in deren Namen diese Publisher ihre Schrottbücher bei Amazon vertreiben, habe ich im Anhang dieses Artikels aufgelistet.

Der Absender der E-Mails scheint in der Lage zu sein, an die Namen und E-Mail-Adressen von Rezensenten zu gelangen. Auf welchem Wege dies geschieht und ob der Absender in den Besitz weiterer persönlicher Daten gelangt ist, ist nicht bekannt.

Eine mögliche Erklärung wäre ein menschliches Datenleck bei Amazon. Laut dieser Quelle musste Amazon in der Vergangenheit bereits Mitarbeiter feuern, weil sie Kundendaten an Dritte weitergegeben hatten.

Fake-Rezensionen bei Ratgebern erkennen (Dauer: 10 Sekunden)

In meinem zweiten Schrottbuch-Artikel Die Zerstörung der gekauften Rezensionen hatte ich dokumentiert, was es mit den Rezensionen der Schrottbücher auf sich hat.

Zumeist beziehen die Schrottbuch-Publisher ihre Fake-Rezensionen durch sogenannten »Rezi-Tausch« oder von virtuellen Assistenten (VAs). Diese freischaffenden Rezensions-Dealer beschäftigen ein Netzwerk von einigen Dutzend bis mehreren Hundert Rezensenten.

Mit einer Methode, die ich im Folgenden vorstellen werde, lässt sich in unter 10 Sekunden überprüfen, ob die Rezensionen zu einem Ratgeberbuch authentisch oder fake sind. Dabei kommt die Website Reviewmeta zum Einsatz, jedoch setzen wir sie anders ein, als sie üblicherweise eingesetzt wird.

Wichtig: Die folgende Methode ist nur bei Ratgeberbüchern zuverlässig, die zumindest eine mittlere zweistellige Anzahl an Rezensionen erhalten haben.

Ich möchte die Methode einmal beispielhaft an dem Buch Die Kunst der Psychologie von Annika Durand demonstrieren.

Schritt 1: Die Verkaufsseite des Buches bei Amazon aufrufen und die URL in die Zwischenablage kopieren (Strg+C).

Schritt 2: Die Website Reviewmeta aufrufen.

Schritt 3: Die URL aus der Zwischenablage in das dafür vorgesehene Feld bei Reviewmeta einfügen (Strg+V) und auf »Run Report« klicken.

Schritt 4: Den oberen Teil der Auswertung bitte ignorieren. Stattdessen direkt zu dem Punkt »Overlapping Review History« herunterscrollen und durch einen Klick auf »Show more« den vollständigen Bericht öffnen.

Bei dem Buch Die Kunst der Psychologie sieht der Bericht folgendermaßen aus:

Es werden neun Bücher anderer Autoren angezeigt, die von den Rezensenten des Buches Die Kunst der Psychologie ebenfalls rezensiert wurden.

Wir interessieren uns für die Prozentangaben. Bei Durands Buch liegen diese alle bei rund 60 Prozent. Zum Beispiel haben 60 Prozent der Rezensenten von Durands Buch auch das Buch Daytrading für Einsteiger von Robert A. Wilson rezensiert (siehe oben rechts). Und 59 Prozent haben das Buch Gebärdensprache von Karina Schneider rezensiert (unten rechts).

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet:

Wie glaubhaft ist es, dass jeweils 65 von 111 echten Lesern, die Durands Psychologie-Ratgeber rezensiert haben, auch ein und dasselbe Buch über Daytrading und ein und dasselbe Buch über Gebärdensprache gekauft, gelesen und rezensiert haben?

Bei den Schrottbüchern zeigt sich immer wieder dieses auffällige Muster. Selbstverständlich beweist das alles nicht, dass die Rezensenten bezahlt wurden. Jedoch ist mir bisher keine andere Erklärung dafür eingefallen.

Und für einen Rezensenten konnte ich sogar lückenlos nachweisen, dass er für seine Rezensionen bezahlt wurde. Mehr dazu in meinem Artikel Die Zerstörung der gekaufen Rezensionen.

Das alles deutet darauf hin, dass die Rezensionen dieser Bücher aus ein und derselben Quelle bezogen wurden.

Man könnte leicht auf die Idee kommen, dass in diesem konkreten Fall etwa 60 Prozent der Rezensionen aus dieser Quelle stammen. Der tatsächliche Anteil dürfte deutlich höher liegen, denn nicht jeder Rezensent der Quelle rezensiert jedes Schrottbuch.

Am Beispiel von Napoleon Hills Denke nach und werde reich möchte ich einmal zeigen, wie gering die Überlappungen der Rezensenten bei Büchern ist, die mit großer Sicherheit keine gekauften Rezensionen haben, weil sie es schlicht nicht nötig haben:

Was wir bei dem Buch Denke nach und werde reich sehen, ist das zu erwartende Zufallsrauschen: Zahlen im kleinen einstelligen Prozentbereich.

Hingegen kann das Muster, das wir bei Schrottbüchern wie Annika Durands Die Kunst der Psychologie sehen, unmöglich auf natürlichem Wege entstehen. (Und Amazon kann dieses Muster unmöglich übersehen.)

Der Schaden, den die Schrottbücher ehrlichen Büchern zufügen, geht weit über das Offensichtliche hinaus. Die Fake-Rezensionen würden den Schrottbüchern selbst dann noch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn sich niemand von ihnen beeinflussen ließe.

Über die Fake-Rezensionen erhalten die Schrottbücher weitere unfaire Wettbewerbsvorteile

Da die Rezensenten der Schrottbücher immer wieder die gleichen sind, und da sie die Bücher kaufen, bevor sie sie rezensieren, erhalten die Schrottbücher kostenlose Sichtbarkeit. (Zum Beispiel über die kostenlosen Werbeplätze unter »Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kauften auch« sowie unter »Wird oft zusammen gekauft«.)

Aufgrund ihrer Fake-Rezensionen sind die verschiedenen Schrottbücher ein und desselben Publishers Pseudonym-übergreifend stark vernetzt. Deshalb empfiehlt Amazon auf den oben genannten kostenlosen Werbeplätzen überwiegend Bücher des gleichen Publishers sowie Bücher von Publishern, die die gleichen Rezensenten beauftragt haben.

Diese Vernetzung ist bares Geld wert, denn sie reduziert Streuverluste bei bezahlten Werbeanzeigen. Folglich können sich die Schrottbuch-Publisher höhere Gebote leisten. Und das bedeutet noch mehr Marktmacht für die Schrottbücher.

Übrigens scheinen die mutmaßlich bezahlten Rezensenten der Schrottbücher zumeist die Kindle-Versionen zu kaufen, die extra zu diesem Zweck für kurze Zeit auf 99 Cent reduziert werden. Und um Amazons Suchalgorithmus zu manipulieren, scheinen zumindest einige Publisher die Rezensenten damit zu beauftragen, die Bücher vor dem Kauf über bestimmte Suchbegriffe zu suchen.

All das reicht aus, um Bücher in die Charts zu bringen, die unter fairen Bedingungen nicht den Hauch einer Chance hätten. So erreichte etwa das unter dem Pseudonym Annika Durand publizierte Schrottbuch Die Kunst der Psychologie den zweiten Platz der Amazon-Bestsellerliste.

Schrottbücher sind keine Randerscheinung

Die Schrottbücher dominieren bereits zahlreiche Nischen – darunter auch Nischen, bei denen man sich wünschen würde, dass sie mit den Büchern echter Experten besetzt sind.

Dazu drei Beispiele:

#1: Depressionen überwinden

Im Mai 2021 stammten nur vier der 16 Bücher, die zu dem Suchbegriff »Depressionen überwinden« auf der ersten Seite der Suchergebnisse angezeigt wurden, von real existierenden Experten, die keine Fake-Rezensionen einsetzten. (Wenn man die bezahlten Werbeanzeigen mitzählt, ist der Schrottbuch-Anteil sogar noch größer.)

In einem Video zeige ich Schritt für Schritt, wie ich zu diesem Ergebnis gekommen bin. Klicke hier, um das 60-minütige Video bei YouTube anzusehen.

#2: Vagus Nerv

Zum Suchbegriff »Vagus Nerv« stammten im Mai 2021 sogar nur zwei der 16 Bücher auf der ersten Seite von real existierenden Autoren, die keine Fake-Rezensionen einsetzten.

Vagus Nerv klingt medizinisch und sollte für Fake-Experten tabu sein. Diese Rezension zu dem Buch Stimulieren Sie Ihren Vagus Nerv des Fake-Experten Dr. Alessio Rammer sollte uns zu denken geben:

Doch potenziell wichtige Rezensionen wie diese werden von unzähligen mutmaßlich gekauften Fake-Rezensionen übertönt.

Die große Mehrzahl davon stammt von Rezensenten, die bereits Hunderte oder sogar mehr als tausend Rezensionen mit fast ausnahmslos fünf Sternen abgegeben haben. Diese Rezensenten bewerten praktisch ausschließlich Schrottbücher, oftmals mehrere pro Tag.

Informationen über einzelne Rezensenten erhält man, indem man Reviewmeta mit der URL zu deren Profil füttert. Auf diese Weise erfährt man zum Beispiel, dass der  bei den Schrottbüchern gefühlt allgegenwärtige Rezensent »Blackbiggy« im Durchschnitt einmal pro Tag 4,9 Sterne vergibt:

Zahlen wie diese sind typisch für die Rezensenten, die die Schrottbücher zu Hunderten rezensieren. (In meinem Artikel Die Zerstörung der Fake-Ratgeber gibt es eine Liste mit 100 besonders fleißigen Schrottbuch-Rezensenten.)

#3: Lernmethoden

Auch hier überwiegen die Schrottbücher. Die Mehrheit von ihnen verkauft den Lesern sogenannte Lerntypen als Gamechanger. Tatsächlich sind Lerntypen nur ein Mythos, für den es keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Genau das ist das Problem mit den von unqualifizierten Billig-Ghostwritern geschriebenen und mit Hilfe von Fake-Rezensionen hochgepushten Schrottbüchern:

Die Schrottbücher verbreiten Mythen, Verschwörungstheorien, Fake-News und unseriöse Heilsversprechen. Außerdem verdrängen sie die Bücher echter Experten aus den Suchergebnissen und Bestsellerlisten.

Da aber authentische Rezensionen übertönt oder sogar aktiv bekämpft werden, ist es extrem schwer, gegen den Lärm der Fake-Rezensionen anzukommen.

Die Sabotage von Konkurrenten und Kritikern

Wenn ein unterlegener Spieler um jeden Preis gewinnen will, dann wird er zuerst die Regeln brechen. Und wenn das nicht mehr hilft, dann sabotiert er seine Kontrahenten, damit auch die nicht mehr gewinnen können.

Immer öfter berichten ehrliche Ratgeber-Autoren von absurden negativen Rezensionen, die ihrer Ansicht nach nur von Konkurrenten stammen können. Ich habe das lange nicht geglaubt, bis es auch mir passiert ist.

Obwohl mein neues Buch Überflieger-Formel (ein Lernratgeber für Studenten) erst seit einer Woche auf dem Markt ist, hat es schon sechs 1-Sterne-Rezensionen erhalten. Ihr Inhalt: unwahre Tatsachenbehauptungen, die offenbar dazu dienen sollen, potenzielle Käufer vom Kauf des Buches abzuhalten. Mit gestellten Fotos und Nützlich-Klicks wird versucht, den Rezensionen mehr Gewicht zu geben.

Zwei der sechs Rezensenten greifen mich wegen meines Blogartikels Die Zerstörung der Fake-Ratgeber an. Damit ist klar, aus welcher Ecke der Hass kommt.

Es ist nicht das erste Mal. Bereits kurz nachdem mein erster Schrottbuch-Artikel vor eineinhalb Jahren viral gegangen war, erschienen mehrere Verleumdungs- und Hass-Rezensionen zu meinen Büchern. Außerdem wurde ich in anonymen Kommentaren verleumdet und bedroht. (Dem Hass steht eine mittlere dreistellige Anzahl an positiven Rückmeldungen gegenüber.)

Hass-Rezensionen mit unwahren Tatsachenbehauptungen sind eine Tretmine für ehrliche Rezensenten

Letztere haben oftmals das Bedürfnis, die unwahren Tatsachenbehauptungen richtigzustellen. Doch wer in seiner Rezension andere Rezensenten anspricht, verstößt gegen Amazons Community-Richtlinien. Die Folge: Die ehrliche Rezension wird gelöscht. Im Wiederholungsfall kann sogar der Account gesperrt werden.

Noch scheint Amazon die Schrottbuch-Publisher zu dulden – obwohl sie tausendfach gegen Richtlinien verstoßen. Es ist zu hoffen, dass dem gesamten Schrott im Rahmen einer großen Säuberung der Garaus gemacht wird. Wenn man den jüngsten Meldungen Glauben schenkt, könnte es bald soweit sein. Aber wir sollten uns nicht darauf verlassen.

Was wir schon jetzt gegen Schrottbücher tun können

Als Belogener: Wer auf ein Schrottbuch hereingefallen ist, sollte es retournieren und eine sachliche Rezension hinterlassen. Darüber hinaus helfen Nützlich-Klicks auf bereits existierende Rezensionen, deren Aussagen man teilt. Ja, es ist aufwändig und lästig, aber wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Bösen siegen.

Als Empfänger einer Droh-E-Mail: Wer eine Droh-E-Mail der »Rechtsabteilung namhafter Autoren« erhalten hat, kann dies zur Anzeige bringen. Dafür muss man nicht einmal die Wohnung verlassen, denn Anzeigen lassen sich auch online aufgeben. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, den Vorfall auch der zuständigen Datenschutzbehörde zu melden.

Als Verlag: Es wäre langsam an der Zeit, dass große Verlage ihre Rechtsabteilungen auf die Fake-Rezensionen der Schrottbuch-Publisher ansetzen.

Als Autor: Wenn ihr über E-Mail-Listen und/oder Social Media mit euren Lesern in Kontakt treten könnt, dann klärt sie über die Schrottbücher auf. Positiver Nebeneffekt: Wenn ihr euch öffentlich von Schrottbüchern distanziert, wird man euch und euren Werken mehr vertrauen.

Anhang: Fake-Experten

Matthias Brandt ist angeblich Management-Trainer mit jahrelanger Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Matthias Brandt sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Zeit-, Selbst- und Projektmanagement zu schreiben. Tatsächlich ist Matthias Brandt aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Durand ist angeblich gefragte Expertin für politische Verhandlungen im europäischen Wirtschafsraum. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Annika Durand sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Psychologie und Kommunikation zu schreiben. Tatsächlich ist Annika Durand aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

William Lakefield ist angeblich studierter Wirtschaftsingenieur, der an der Wall Street gearbeitet haben soll. Sein Expertenwissen über Aktien soll ihn zum Multimillionär gemacht haben. Angeblich soll er sogar Millionenbeträge für gute Zwecke gespendet haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre William Lakefield sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist William Lakefield aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Victoria Lakefield soll bereits Seminare im Bereich Psychologie abgehalten haben. Angeblich verfügt sie über ein hervorragendes Verständnis der menschlichen Psyche. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Victoria Lakefield vielleicht qualifiziert, Ratgeber für Personen mit Depressionen und Angststörungen zu schreiben. Tatsächlich ist Victoria Lakefield aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Konrad Sewell wurde bis 2020 als promovierter Jurist vorgestellt. Aktuell ist Konrad Sewell angeblich zertifizierter Unternehmenssanierer, Mediator und Coach, der 2007 auch eine Weiterbildung im Bereich Psychologie und Verhaltensweisen absolviert haben soll. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Konrad Sewell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Konrad Sewell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Robert A. Wilson soll dank seines Know-hows erfolgreich an der Börse spekuliert haben. Um den Menschen etwas zurückzugeben, schreibt der angebliche Millionär seit 2019 Ratgeberbücher, die seine Mitmenschen in Krisenzeiten unterstützen sollen. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Robert A. Wilson sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist Robert A. Wilson aber frei erfunden. Er existiert nicht.

David Campbell hat angeblich Psychologie studiert und soll heute als Berater, Life Coach und Autor tätig sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre David Campbell sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist David Campbell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Justus Kronfeld soll angeblich Psychologie studiert und zahlreiche Seminare im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung besucht und gegeben haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Justus Kronfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Justus Kronfeld aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Theodor Roswell soll angeblich Tierpsychologie studiert haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Theodor Roswell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher über Hundeerziehung zu schreiben. Tatsächlich ist Theodor Roswell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Johanna Schönfeld soll angeblich Psychotherapeutin sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Johanna Schönfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Johanna Schönfeld aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Damian Collins soll seit zwei Jahrzehnten als selbstständiger Privatcoach und für internationale Business-Moguln und hochrangige Manager in namhaften Unternehmen arbeiten. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Damian Collins sicherlich qualifiziert, Ratgeber für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Damian Collins aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Vincent Matthiesen soll Wirtschaftswissenschaften studiert haben und ihm zarten Alter von 26 Jahren Millionär geworden sein. Angeblich leitet er heute sechs erfolgreiche Unternehmen. Wenn das stimmen würde, wäre Vincent Matthiesen sicherlich qualifiziert, Bücher für Gründer und Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Vincent Matthiesen aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Ebenstein ist angeblich Autodidaktin, die nun als selbstständige Trainerin und Coach arbeitet. Wenn das der Wahrheit entspräche, dann wäre Annika Ebenstein möglicherweise qualifiziert, Ratgeber über Depressionen, Angststörungen und Panikattacken und schreiben. Tatsächlich ist Annika Ebenstein aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Julia Sanders soll die Autorin einiger Bücher über Kindererziehung sein. Angeblich ist sie dazu qualifiziert, weil sie beruflich mit Kindern zu tun hatte. Tatsächlich ist Julia Sanders aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Johannes Lichtenstein liest angeblich jede Woche zwei Bücher, weshalb er über ein enormes Allgemeinwissen verfügt. Auch soll er neben Wikipedia-Artikeln bereits mehrere Bestseller über Lerntechniken geschrieben haben. Sein angebliches Ziel ist, es Menschen dabei zu helfen, mit Allgemeinwissen zur Elite der Gesellschaft aufzusteigen (sic!). Der angebliche Bestsellerautor Johannes Lichtenstein ist frei erfunden. Er existiert nicht.

Hinter PureCure steckt angeblich ein Kollektiv erfahrener Heilpraktiker.

Hinter Vital Experts steckt angeblich ein Unternehmen, das von vier Ernährungsberatern gegründet worden sein soll.

Bei FitLife handelt es sich angeblich um einen Zusammenschluss aus unabhängigen Experten für vielfältige Gesundheitsthemen.

Neben diesen eindeutigen Mogelpackungen gibt es noch weitere Pseudonyme und Labels, die über mutmaßlich gekaufte Rezensionen verfügen:

Ben J. Morris,

Kristin Berger-Loewenstein,

Tom Bramfeld,

Marius Behrlund,

Tamara Naumann,

Elias Theodorakis,

Arthur Beringstein,

Elisabeth Silberstern,

Karina Schneider,

Anna-Marie Liebtal,

Emilia Morel,

Marie Sommer,

Andrew Bramstone,

Manuel Nikolaidis,

Leonard Winter,

Emma Lavie,

Books-World

Travel World,

MyBrain,

Kid’s Planet,

Rezepte Profis,

Sprachinsel,

Code Campus,

World of Finance

und Animal World.

Mein Bezug zum Thema: Ich schreibe selbst Ratgeberbücher, in die ich sehr viel Zeit und Mühe investiere. Außerdem liebe ich es, gute Bücher zu lesen.

Dieser Beitrag darf gerne im Netz verbreitet werden. Je mehr Leser von den oben dargelegten wettbewerbswidrigen und die Leser täuschenden Praktiken der Schrottbuch-Publisher erfahren, umso besser.

Die Schrottbuch-Epidemie entwickelt sich zu einer ernsthaften Bedrohung für alle seriösen Verlage und Autoren.

Schrottbücher – Was ist das?

Der Begriff »Schrottbuch« hat sich für Ratgeberbücher etabliert, die diese beiden Merkmale aufweisen:

  1. Es wird behauptet, das Buch sei von einem qualifizierten Experten geschrieben worden, doch in Wahrheit ist der Experte (samt Qualifikationen) frei erfunden.
  2. Massenhaft positive Fake-Rezensionen vermitteln den Eindruck, dass bereits tausende Leser hellauf begeistert seien.

Die Schrottbücher überfluten den Ratgebermarkt bei Amazon. Und sie verkaufen sich unfassbar gut.

Wie das Geschäftsmodell mit den Schrottbücher funktioniert, hatte ich in meinem Blogartikel Die Zerstörung der Fake-Ratgeber dokumentiert. Der Artikel ging Anfang 2020 viral und brachte tausende Leser und Autoren auf die Palme.

Doch die Schrottbücher florieren weiterhin – nicht zuletzt, weil die Methoden der Schrottbuch-Publisher aggressiver geworden sind.

Inhalte dieses Artikels:

  • Wie eine angebliche Rechtsabteilung der Schrottbuch-Publisher unschuldige Rezensenten bedroht.
  • Wie man in nur 10 Sekunden überprüfen kann, ob die positiven Rezensionen eines Ratgeberbuches authentisch oder fake sind.
  • Wie die Schrottbuch-Publisher ihre Konkurrenten und Kritiker sabotieren.
  • Was wir alle gegen die Schrottbücher unternehmen können.

Wie die Schrottbuch-Publisher ehrliche Rezensenten bedrohen

In den letzten Monaten wurde ich von einer zweistelligen Anzahl an Personen kontaktiert, die alle die gleiche Droh-E-Mail von einer angeblichen Rechtsabteilung erhalten hatten. Zuvor hatten sie eine negative Rezension zu einem Schrottbuch abgegeben.

Die E-Mails wurden von dieser Adresse abgesendet: autoren.recht@gmail.com.

Und das ist ihr Inhalt:

Wer nicht löscht, wird erneut bedroht:

Zwei Rezensenten von Schrottbüchern des Fake-Experten Konrad Sewell schreiben sogar in ihren Rezensionen, dass sie eine Droh-E-Mail erhalten haben:

Alle mir bekannten Empfänger dieser Droh-E-Mails haben eines gemeinsam: Die Bücher, die sie negativ rezensiert hatten, stammen von drei Publishern, die miteinander in Verbindung stehen. Die Pseudonyme, in deren Namen diese Publisher ihre Schrottbücher bei Amazon vertreiben, habe ich im Anhang dieses Artikels aufgelistet.

Der Absender der E-Mails scheint in der Lage zu sein, an die Namen und E-Mail-Adressen von Rezensenten zu gelangen. Auf welchem Wege dies geschieht und ob der Absender in den Besitz weiterer persönlicher Daten gelangt ist, ist nicht bekannt.

Eine mögliche Erklärung wäre ein menschliches Datenleck bei Amazon. Laut dieser Quelle musste Amazon in der Vergangenheit bereits Mitarbeiter feuern, weil sie Kundendaten an Dritte weitergegeben hatten.

Fake-Rezensionen bei Ratgebern erkennen (Dauer: 10 Sekunden)

In meinem zweiten Schrottbuch-Artikel Die Zerstörung der gekauften Rezensionen hatte ich dokumentiert, was es mit den Rezensionen der Schrottbücher auf sich hat.

Zumeist beziehen die Schrottbuch-Publisher ihre Fake-Rezensionen durch sogenannten »Rezi-Tausch« oder von virtuellen Assistenten (VAs). Diese freischaffenden Rezensions-Dealer beschäftigen ein Netzwerk von einigen Dutzend bis mehreren Hundert Rezensenten.

Mit einer Methode, die ich im Folgenden vorstellen werde, lässt sich in unter 10 Sekunden überprüfen, ob die Rezensionen zu einem Ratgeberbuch authentisch oder fake sind. Dabei kommt die Website Reviewmeta zum Einsatz, jedoch setzen wir sie anders ein, als sie üblicherweise eingesetzt wird.

Wichtig: Die folgende Methode ist nur bei Ratgeberbüchern zuverlässig, die zumindest eine mittlere zweistellige Anzahl an Rezensionen erhalten haben.

Ich möchte die Methode einmal beispielhaft an dem Buch Die Kunst der Psychologie von Annika Durand demonstrieren.

Schritt 1: Die Verkaufsseite des Buches bei Amazon aufrufen und die URL in die Zwischenablage kopieren (Strg+C).

Schritt 2: Die Website Reviewmeta aufrufen.

Schritt 3: Die URL aus der Zwischenablage in das dafür vorgesehene Feld bei Reviewmeta einfügen (Strg+V) und auf »Run Report« klicken.

Schritt 4: Den oberen Teil der Auswertung bitte ignorieren. Stattdessen direkt zu dem Punkt »Overlapping Review History« herunterscrollen und durch einen Klick auf »Show more« den vollständigen Bericht öffnen.

Bei dem Buch Die Kunst der Psychologie sieht der Bericht folgendermaßen aus:

Es werden neun Bücher anderer Autoren angezeigt, die von den Rezensenten des Buches Die Kunst der Psychologie ebenfalls rezensiert wurden.

Wir interessieren uns für die Prozentangaben. Bei Durands Buch liegen diese alle bei rund 60 Prozent. Zum Beispiel haben 60 Prozent der Rezensenten von Durands Buch auch das Buch Daytrading für Einsteiger von Robert A. Wilson rezensiert (siehe oben rechts). Und 59 Prozent haben das Buch Gebärdensprache von Karina Schneider rezensiert (unten rechts).

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet:

Wie glaubhaft ist es, dass jeweils 65 von 111 echten Lesern, die Durands Psychologie-Ratgeber rezensiert haben, auch ein und dasselbe Buch über Daytrading und ein und dasselbe Buch über Gebärdensprache gekauft, gelesen und rezensiert haben?

Bei den Schrottbüchern zeigt sich immer wieder dieses auffällige Muster. Selbstverständlich beweist das alles nicht, dass die Rezensenten bezahlt wurden. Jedoch ist mir bisher keine andere Erklärung dafür eingefallen.

Und für einen Rezensenten konnte ich sogar lückenlos nachweisen, dass er für seine Rezensionen bezahlt wurde. Mehr dazu in meinem Artikel Die Zerstörung der gekaufen Rezensionen.

Das alles deutet darauf hin, dass die Rezensionen dieser Bücher aus ein und derselben Quelle bezogen wurden.

Man könnte leicht auf die Idee kommen, dass in diesem konkreten Fall etwa 60 Prozent der Rezensionen aus dieser Quelle stammen. Der tatsächliche Anteil dürfte deutlich höher liegen, denn nicht jeder Rezensent der Quelle rezensiert jedes Schrottbuch.

Übrigens stammen acht der neun Bücher von Empire of Books, einem Label der Malik & Mähleke GmbH.

Am Beispiel von Napoleon Hills Denke nach und werde reich möchte ich einmal zeigen, wie gering die Überlappungen der Rezensenten bei Büchern ist, die mit großer Sicherheit keine gekauften Rezensionen haben, weil sie es schlicht nicht nötig haben:

Was wir bei dem Buch Denke nach und werde reich sehen, ist das zu erwartende Zufallsrauschen: Zahlen im kleinen einstelligen Prozentbereich.

Hingegen kann das Muster, das wir bei Schrottbüchern wie Annika Durands Die Kunst der Psychologie sehen, unmöglich auf natürlichem Wege entstehen. (Und Amazon kann dieses Muster unmöglich übersehen.)

Der Schaden, den die Schrottbücher ehrlichen Büchern zufügen, geht weit über das Offensichtliche hinaus. Die Fake-Rezensionen würden den Schrottbüchern selbst dann noch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn sich niemand von ihnen beeinflussen ließe.

Über die Fake-Rezensionen erhalten die Schrottbücher weitere unfaire Wettbewerbsvorteile

Da die Rezensenten der Schrottbücher immer wieder die gleichen sind, und da sie die Bücher kaufen, bevor sie sie rezensieren, erhalten die Schrottbücher kostenlose Sichtbarkeit. (Zum Beispiel über die kostenlosen Werbeplätze unter »Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kauften auch« sowie unter »Wird oft zusammen gekauft«.)

Aufgrund ihrer Fake-Rezensionen sind die verschiedenen Schrottbücher ein und desselben Publishers Pseudonym-übergreifend stark vernetzt. Deshalb empfiehlt Amazon auf den oben genannten kostenlosen Werbeplätzen überwiegend Bücher des gleichen Publishers sowie Bücher von Publishern, die die gleichen Rezensenten beauftragt haben.

Diese Vernetzung ist bares Geld wert, denn sie reduziert Streuverluste bei bezahlten Werbeanzeigen. Folglich können sich die Schrottbuch-Publisher höhere Gebote leisten. Und das bedeutet noch mehr Marktmacht für die Schrottbücher.

Übrigens scheinen die mutmaßlich bezahlten Rezensenten der Schrottbücher zumeist die Kindle-Versionen zu kaufen, die extra zu diesem Zweck für kurze Zeit auf 99 Cent reduziert werden. Und um Amazons Suchalgorithmus zu manipulieren, scheinen zumindest einige Publisher die Rezensenten damit zu beauftragen, die Bücher vor dem Kauf über bestimmte Suchbegriffe zu suchen.

All das reicht aus, um Bücher in die Charts zu bringen, die unter fairen Bedingungen nicht den Hauch einer Chance hätten. So erreichte etwa das unter dem Pseudonym Annika Durand publizierte Schrottbuch Die Kunst der Psychologie den zweiten Platz der Amazon-Bestsellerliste.

Schrottbücher sind keine Randerscheinung

Die Schrottbücher dominieren bereits zahlreiche Nischen – darunter auch Nischen, bei denen man sich wünschen würde, dass sie mit den Büchern echter Experten besetzt sind.

Dazu drei Beispiele:

#1: Depressionen überwinden

Im Mai 2021 stammten nur vier der 16 Bücher, die zu dem Suchbegriff »Depressionen überwinden« auf der ersten Seite der Suchergebnisse angezeigt wurden, von real existierenden Experten, die keine Fake-Rezensionen einsetzten.

(Wenn man die bezahlten Werbeanzeigen mitzählt, ist der Schrottbuch-Anteil sogar noch größer.)

In einem Video zeige ich Schritt für Schritt, wie ich zu diesem Ergebnis gekommen bin. Klicke hier, um das 60-minütige Video bei YouTube anzusehen.

#2: Vagus Nerv

Zum Suchbegriff »Vagus Nerv« stammten im Mai 2021 sogar nur zwei der 16 Bücher auf der ersten Seite von real existierenden Autoren, die keine Fake-Rezensionen einsetzten.

Vagus Nerv klingt medizinisch und sollte für Fake-Experten tabu sein. Diese Rezension zu dem Buch Stimulieren Sie Ihren Vagus Nerv des Fake-Experten Dr. Alessio Rammer sollte uns zu denken geben:

Doch potenziell wichtige Rezensionen wie diese werden von unzähligen mutmaßlich gekauften Fake-Rezensionen übertönt.

Die große Mehrzahl davon stammt von Rezensenten, die bereits Hunderte oder sogar mehr als tausend Rezensionen mit fast ausnahmslos fünf Sternen abgegeben haben. Diese Rezensenten bewerten praktisch ausschließlich Schrottbücher, oftmals mehrere pro Tag.

Informationen über einzelne Rezensenten erhält man, indem man Reviewmeta mit der URL zu deren Profil füttert. Auf diese Weise erfährt man zum Beispiel, dass der  bei den Schrottbüchern gefühlt allgegenwärtige Rezensent »Blackbiggy« im Durchschnitt einmal pro Tag 4,9 Sterne vergibt:

Zahlen wie diese sind typisch für die Rezensenten, die die Schrottbücher zu Hunderten rezensieren. (In meinem Artikel Die Zerstörung der Fake-Ratgeber gibt es eine Liste mit 100 besonders fleißigen Schrottbuch-Rezensenten.)

#3: Lernmethoden

Auch hier überwiegen die Schrottbücher. Die Mehrheit von ihnen verkauft den Lesern sogenannte Lerntypen als Gamechanger. Tatsächlich sind Lerntypen nur ein Mythos, für den es keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Genau das ist das Problem mit den von unqualifizierten Billig-Ghostwritern geschriebenen und mit Hilfe von Fake-Rezensionen hochgepushten Schrottbüchern:

Die Schrottbücher verbreiten Mythen, Verschwörungstheorien, Fake-News und unseriöse Heilsversprechen. Außerdem verdrängen sie die Bücher echter Experten aus den Suchergebnissen und Bestsellerlisten.

Da aber authentische Rezensionen übertönt oder sogar aktiv bekämpft werden, ist es extrem schwer, gegen den Lärm der Fake-Rezensionen anzukommen.

Die Sabotage von Konkurrenten und Kritikern

Wenn ein unterlegener Spieler um jeden Preis gewinnen will, dann wird er zuerst die Regeln brechen. Und wenn das nicht mehr hilft, dann sabotiert er seine Kontrahenten, damit auch die nicht mehr gewinnen können.

Immer öfter berichten ehrliche Ratgeber-Autoren von absurden negativen Rezensionen, die ihrer Ansicht nach nur von Konkurrenten stammen können. Ich habe das lange nicht geglaubt, bis es auch mir passiert ist.

Obwohl mein neues Buch Überflieger-Formel (ein Lernratgeber für Studenten) erst seit einer Woche auf dem Markt ist, hat es schon sechs 1-Sterne-Rezensionen erhalten. Ihr Inhalt: unwahre Tatsachenbehauptungen, die offenbar dazu dienen sollen, potenzielle Käufer vom Kauf des Buches abzuhalten. Mit gestellten Fotos und Nützlich-Klicks wird versucht, den Rezensionen mehr Gewicht zu geben.

Zwei der sechs Rezensenten greifen mich wegen meines Blogartikels Die Zerstörung der Fake-Ratgeber an. Damit ist klar, aus welcher Ecke der Hass kommt.

Es ist nicht das erste Mal. Bereits kurz nachdem mein erster Schrottbuch-Artikel vor eineinhalb Jahren viral gegangen war, erschienen mehrere Verleumdungs- und Hass-Rezensionen zu meinen Büchern. Außerdem wurde ich in anonymen Kommentaren verleumdet und bedroht. (Dem Hass steht eine mittlere dreistellige Anzahl an positiven Rückmeldungen gegenüber.)

Hass-Rezensionen mit unwahren Tatsachenbehauptungen sind eine Tretmine für ehrliche Rezensenten

Letztere haben oftmals das Bedürfnis, die unwahren Tatsachenbehauptungen richtigzustellen. Doch wer in seiner Rezension andere Rezensenten anspricht, verstößt gegen Amazons Community-Richtlinien. Die Folge: Die ehrliche Rezension wird gelöscht. Im Wiederholungsfall kann sogar der Account gesperrt werden.

Noch scheint Amazon die Schrottbuch-Publisher zu dulden – obwohl sie tausendfach gegen Richtlinien verstoßen. Es ist zu hoffen, dass dem gesamten Schrott im Rahmen einer großen Säuberung der Garaus gemacht wird. Wenn man den jüngsten Meldungen Glauben schenkt, könnte es bald soweit sein. Aber wir sollten uns nicht darauf verlassen.

Was wir schon jetzt gegen Schrottbücher tun können

Als Belogener: Wer auf ein Schrottbuch hereingefallen ist, sollte es retournieren und eine sachliche Rezension hinterlassen. Darüber hinaus helfen Nützlich-Klicks auf bereits existierende Rezensionen, deren Aussagen man teilt. Ja, es ist aufwändig und lästig, aber wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Bösen siegen.

Als Empfänger einer Droh-E-Mail: Wer eine Droh-E-Mail der »Rechtsabteilung namhafter Autoren« erhalten hat, kann dies zur Anzeige bringen. Dafür muss man nicht einmal die Wohnung verlassen, denn Anzeigen lassen sich auch online aufgeben. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, den Vorfall auch der zuständigen Datenschutzbehörde zu melden.

Als Verlag: Es wäre langsam an der Zeit, dass große Verlage ihre Rechtsabteilungen auf die Fake-Rezensionen der Schrottbuch-Publisher ansetzen.

Als Autor: Wenn ihr über E-Mail-Listen und/oder Social Media mit euren Lesern in Kontakt treten könnt, dann klärt sie über die Schrottbücher auf. Positiver Nebeneffekt: Wenn ihr euch öffentlich von Schrottbüchern distanziert, wird man euch und euren Werken mehr vertrauen.

Anhang: Fake-Experten

Matthias Brandt ist angeblich Management-Trainer mit jahrelanger Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Matthias Brandt sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Zeit-, Selbst- und Projektmanagement zu schreiben. Tatsächlich ist Matthias Brandt aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Durand ist angeblich gefragte Expertin für politische Verhandlungen im europäischen Wirtschafsraum. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Annika Durand sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher im Bereich Psychologie und Kommunikation zu schreiben. Tatsächlich ist Annika Durand aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

William Lakefield ist angeblich studierter Wirtschaftsingenieur, der an der Wall Street gearbeitet haben soll. Sein Expertenwissen über Aktien soll ihn zum Multimillionär gemacht haben. Angeblich soll er sogar Millionenbeträge für gute Zwecke gespendet haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre William Lakefield sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist William Lakefield aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Victoria Lakefield soll bereits Seminare im Bereich Psychologie abgehalten haben. Angeblich verfügt sie über ein hervorragendes Verständnis der menschlichen Psyche. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Victoria Lakefield vielleicht qualifiziert, Ratgeber für Personen mit Depressionen und Angststörungen zu schreiben. Tatsächlich ist Victoria Lakefield aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Konrad Sewell wurde bis 2020 als promovierter Jurist vorgestellt. Aktuell ist Konrad Sewell angeblich zertifizierter Unternehmenssanierer, Mediator und Coach, der 2007 auch eine Weiterbildung im Bereich Psychologie und Verhaltensweisen absolviert haben soll. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Konrad Sewell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Konrad Sewell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Robert A. Wilson soll dank seines Know-hows erfolgreich an der Börse spekuliert haben. Um den Menschen etwas zurückzugeben, schreibt der angebliche Millionär seit 2019 Ratgeberbücher, die seine Mitmenschen in Krisenzeiten unterstützen sollen. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Robert A. Wilson sicherlich qualifiziert, Finanzratgeber zu schreiben. Tatsächlich ist Robert A. Wilson aber frei erfunden. Er existiert nicht.

David Campbell hat angeblich Psychologie studiert und soll heute als Berater, Life Coach und Autor tätig sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre David Campbell sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist David Campbell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Justus Kronfeld soll angeblich Psychologie studiert und zahlreiche Seminare im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung besucht und gegeben haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Justus Kronfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Justus Kronfeld aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Theodor Roswell soll angeblich Tierpsychologie studiert haben. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Theodor Roswell sicherlich qualifiziert, Ratgeberbücher über Hundeerziehung zu schreiben. Tatsächlich ist Theodor Roswell aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Johanna Schönfeld soll angeblich Psychotherapeutin sein. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Johanna Schönfeld sicherlich qualifiziert, psychologische Ratgeberbücher zu schreiben. Tatsächlich ist Johanna Schönfeld aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Damian Collins soll seit zwei Jahrzehnten als selbstständiger Privatcoach und für internationale Business-Moguln und hochrangige Manager in namhaften Unternehmen arbeiten. Wenn das der Wahrheit entspräche, wäre Damian Collins sicherlich qualifiziert, Ratgeber für Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Damian Collins aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Vincent Matthiesen soll Wirtschaftswissenschaften studiert haben und ihm zarten Alter von 26 Jahren Millionär geworden sein. Angeblich leitet er heute sechs erfolgreiche Unternehmen. Wenn das stimmen würde, wäre Vincent Matthiesen sicherlich qualifiziert, Bücher für Gründer und Führungskräfte zu schreiben. Tatsächlich ist Vincent Matthiesen aber frei erfunden. Er existiert nicht.

Annika Ebenstein ist angeblich Autodidaktin, die nun als selbstständige Trainerin und Coach arbeitet. Wenn das der Wahrheit entspräche, dann wäre Annika Ebenstein möglicherweise qualifiziert, Ratgeber über Depressionen, Angststörungen und Panikattacken und schreiben. Tatsächlich ist Annika Ebenstein aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Julia Sanders soll die Autorin einiger Bücher über Kindererziehung sein. Angeblich ist sie dazu qualifiziert, weil sie beruflich mit Kindern zu tun hatte. Tatsächlich ist Julia Sanders aber frei erfunden. Sie existiert nicht.

Johannes Lichtenstein liest angeblich jede Woche zwei Bücher, weshalb er über ein enormes Allgemeinwissen verfügt. Auch soll er neben Wikipedia-Artikeln bereits mehrere Bestseller über Lerntechniken geschrieben haben. Sein angebliches Ziel ist, es Menschen dabei zu helfen, mit Allgemeinwissen zur Elite der Gesellschaft aufzusteigen (sic!). Der angebliche Bestsellerautor Johannes Lichtenstein ist frei erfunden. Er existiert nicht.

Hinter PureCure steckt angeblich ein Kollektiv erfahrener Heilpraktiker.

Hinter Vital Experts steckt angeblich ein Unternehmen, das von vier Ernährungsberatern gegründet worden sein soll.

Bei FitLife handelt es sich angeblich um einen Zusammenschluss aus unabhängigen Experten für vielfältige Gesundheitsthemen.

Neben diesen eindeutigen Mogelpackungen gibt es noch weitere Pseudonyme und Labels, die über mutmaßlich gekaufte Rezensionen verfügen:

Ben J. Morris,

Kristin Berger-Loewenstein,

Tom Bramfeld,

Marius Behrlund,

Tamara Naumann,

Elias Theodorakis,

Arthur Beringstein,

Elisabeth Silberstern,

Karina Schneider,

Anna-Marie Liebtal,

Emilia Morel,

Marie Sommer,

Andrew Bramstone,

Manuel Nikolaidis,

Leonard Winter,

Emma Lavie,

Books-World

Travel World,

MyBrain,

Kid’s Planet,

Rezepte Profis,

Sprachinsel,

Code Campus,

World of Finance

und Animal World.

Mein Bezug zum Thema: Ich schreibe selbst Ratgeberbücher, in die ich sehr viel Zeit und Mühe investiere. Außerdem liebe ich es, gute Bücher zu lesen.

Dieser Beitrag darf gerne im Netz verbreitet werden. Je mehr Leser von den oben dargelegten wettbewerbswidrigen und die Leser täuschenden Praktiken der Schrottbuch-Publisher erfahren, umso besser.

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