
Über den Autor (Sunzi)
Sunzi (oder auch Sun Tzu) soll ein General und Militärstratege gewesen sein, der während der Zhou-Dynastie im alten China gelebt hat. Ob es sich um eine reale Person handelt, ist unklar. Das ihm zugeschriebene Werk Die Kunst des Krieges* könnte auch eine Sammlung von Schriften verschiedener Strategen sein, die über einen längeren Zeitraum entstanden sind und erst später dem legendären Autor Master Sun zugeschrieben wurden.
Die Kunst des Krieges* ist eines der einflussreichsten Strategiebücher aller Zeiten. Es hat 2500 Jahre überdauert, und zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten wurden von ihm beeinflusst. Das Buch enthält zeitlose Prinzipien und Weisheiten, deren Anwendung weit über das Militär hinausgeht.
Zusammenfassung
Die Kunst des Krieges* besteht aus 13 kurzen, leicht verständlichen Kapiteln, die sich mit verschiedenen Aspekten der Kriegsführung beschäftigen.
Bei allem, was unten folgt, dürfen wir eines nicht vergessen:
„Das wahre Ziel des Krieges ist der Frieden!“
Wir sollten nie aus Zorn oder Verärgerung angreifen, keine Truppen einsetzen, wenn es nichts zu gewinnen gibt, und uns nicht bewegen, wenn wir darin keinen Vorteil sehen. So halten wir unser Land in Frieden und die Armee intakt.
1. Kapitel: Planung und Strategie
Wir sollten vor jeder Schlacht Berechnungen und Vergleiche anstellen, um unsere Siegchancen abzuschätzen. Die folgenden fünf Faktoren sollen dabei stets berücksichtigt werden:
- Die Moral: Sind sich Volk und Führung einig? Teilt das Volk die Ziele des Herrschers? Sind die Menschen bereit, ihrem Herrscher ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben zu folgen?
- Der Himmel: Hier geht es um die natürlichen Bedingungen wie Tag und Nacht, Hitze und Kälte und das Wetter.
- Die Erde: Hier geht es um die Beschaffenheit des Geländes und die Entfernungen.
- Der Befehlshaber: Wie steht es um die Weisheit, Aufrichtigkeit, Strenge, Menschlichkeit und den Mut des Anführers?
- Methode und Disziplin: Hier geht es um die Organisation der Armee in Einheiten, die Ränge der Offiziere, die Logistik und die Militärausgaben.
Es ist davon auszugehen, dass der Gegner auch Berechnungen und Vergleiche anstellt. Wir sollten ihn täuschen, damit er sich irrt. Wenn wir stark sind, sollten wir schwach erscheinen (und umgekehrt). Wenn wir kampfbereit sind, sollten wir den Eindruck erwecken, dass wir noch Zeit brauchen (und umgekehrt). Wenn wir nah sind, sollte der Eindruck entstehen, dass wir weit weg sind (und umgekehrt).
Sunzi beschreibt weitere Täuschungen: Wir sollten Köder auslegen, um unsere Gegner zu verführen. Wir sollten starken Gegnern ausweichen, cholerische Gegner provozieren und am besten dort
angreifen, wo der Gegner keinen Angriff erwartet. Einem Gegner, der sich sammeln möchte, sollten wir keine Ruhe gönnen.
Meine Empfehlung:
2. Kapitel: Kriegsführung
Sunzi erklärt, dass lange Kriege viele Ressourcen kosten und zu Verarmung und Inflation führen können. Wir sollten darum schnell und effizient handeln.
- Anstatt alles benötigte Material und Proviant aus der Heimat mitzunehmen, sollten wir beim Gegner plündern.
- Wir sollten unsere Männer zornig machen und ihnen als Belohnung die Beute versprechen, die sie beim Gegner machen werden.
- Wir sollten Kriegsgefangene für unsere eigenen Zwecke einsetzen.
- Da die Belagerung von befestigten Städten sehr viel Zeit und Ressourcen verbraucht, sollten wir den Gegner bevorzugt im freien Felde angreifen.
3. Kapitel: Angriff mit Strategie
Das bestmögliche Ergebnis ist ein Sieg ohne Kampf. Dann können wir ein intaktes Land einnehmen und die gegnerische Armee gefangen nehmen.
Im Kampf hängt das optimale Vorgehen von den Stärkeverhältnissen ab:
- Wenn wir 10:1 überlegen sind, sollten wir den Gegner umzingeln.
- Wenn wir 5:1 überlegen sind, sollten wir den Gegner angreifen.
- Wenn wir 2:1 überlegen sind, sollten wir uns aufteilen und den Gegner von vorne und hinten angreifen.
- Wenn die Kräfte gleich sind, sollten wir über eine Schlacht nachdenken.
- Wenn wir leicht unterlegen sind, sollten wir den Gegner meiden.
- Wenn wir deutlich unterlegen sind, sollten wir fliehen.
Sunzi warnt vor drei schwerwiegenden Fehlern, die ein General vermeiden sollte:
Es ist ein Fehler, der Armee einen Angriff oder Rückzug zu befehlen, wenn sie nicht gehorchen kann. Sunzi spricht davon, die Armee in Kalamitäten zu bringen.
Es ist ein Fehler, eine Armee wie einen Staat zu führen. Menschlichkeit und Gerechtigkeit sind zivile, aber keine militärischen Tugenden. Mit Opportunismus und Flexibilität verhält es sich umgekehrt.
Es ist ein Fehler, keine Anpassungen an die Umstände vorzunehmen. Es gibt weise, tapfere, habgierige und dumme Soldaten. Diese sollten für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden.
Voraussetzungen für einen Sieg
Sunzi nennt fünf wesentliche Voraussetzungen für einen Sieg:
- Wissen, wann man kämpfen sollte und wann nicht.
- Wissen, wie man mit überlegenen und unterlegenen Streitkräften verfährt.
- Wissen, wie man die Armee in allen Rängen vom gleichen Geist beseelt.
- Gut vorbereitet darauf warten, den unvorbereiteten Gegner anzugehen.
- Ohne Einmischung durch den Herrscher militärisch fähig sein.
Wir müssen uns selbst und den Gegner kennen.
4. Kapitel: Taktik
Sunzi erklärt den Unterschied zwischen offensiven und defensiven Taktiken:
- Mit einer defensiven Taktik schützen wir uns vor einer Niederlage.
- Mit einer offensiven Taktik schlagen wir den Gegner.
Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht allein in unserer Hand liegt, ob wir einen Gegner schlagen können – der Gegner muss uns eine gute Gelegenheit bieten.
Kluge Anführer achten auf Methode und Disziplin. Sie gewinnen, indem sie keine Fehler machen. Wir sollten uns in eine Position bringen, in der eine Niederlage unmöglich ist, und nur dann angreifen, wenn unser Sieg bereits feststeht. Sunzi spricht davon, mit Leichtigkeit zu siegen.
Da das, was wir tun, von außen leicht aussieht und wir Umstände nutzen, die niemand außer uns sieht, werden wir nie die Anerkennung bekommen, wie wir verdient hätten.
5. Kapitel: Nutzung der Kraft
Das Führen einer großen Armee unterscheidet sich kaum vom Führen weniger Männer. Wir müssen sie nur klug aufteilen und Zeichen und Signale festlegen.
Wir sollten auf die Wirkung der vereinigten Kräfte unserer Männer setzen und nicht allzu viel von jedem Einzelnen verlangen und erwarten.
6. Kapitel: Schwächen und Stärken
Sunzi erklärt, dass wir mithilfe der gegnerischen Taktik siegen können.
Timing
Es ist vorteilhaft, vor dem Gegner auf dem Schlachtfeld zu sein, weil wir dann ausgeruht sind, während er erschöpft ist, wenn er ankommt.
Indem wir den Gegner unterwegs angreifen oder Köder nutzen, um ihm Vorteile anzubieten, können wir beeinflussen, wann er bestimmte Orte erreicht. Außerdem sollten wir ihm keine Ruhe gönnen. Wenn wir unerwartet an Orten auftauchen, die der Gegner verteidigen muss, kann er sich nicht ausruhen.
Starke und schwache Punkte
Wir können unsere Siegchancen verbessern, indem wir nur solche Orte angreifen, die nicht verteidigt sind, und nur Positionen halten, die nicht angegriffen werden können. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass die Gegenseite nicht weiß, was sie angreifen und verteidigen soll.
Wenn der Gegner hinter hohen Wällen oder tiefen Gräben in Deckung ist, können wir ihn zu Kampfhandlungen zwingen, indem wir ihn an anderer Stelle angreifen, damit er aus der Deckung heraus Ersatz schicken muss.
Wenn der Gegner in unser Land eingedrungen ist, sollten wir seine Kommunikations- und Versorgungswege abschneiden und die Straßen besetzen, die er für eine Rückkehr braucht.
Wenn wir im gegnerischen Land sind, sollten wir den Herrscher angreifen.
Wenn wir nicht in Kämpfe verwickelt werden wollen, sollten wir dem Gegner etwas Seltsames, Unerklärliches in den Weg legen, um ihn glauben zu lassen, dass wir eine Falle gestellt haben.
Zahlenmäßige Unterlegenheit erzwingen
Zahlenmäßige Unterlegenheit entsteht, wenn man sich gegen mögliche Angriffe wappnen muss. Darum sollten wir den Gegner zwingen, sich zu wappnen.
Wenn wir den Plan des Gegners kennen, er aber nicht weiß, an welchem Ort wir angreifen wollen, können wir unsere Streitkräfte konzentriert halten, während er sich aufteilen muss, um in alle Richtungen geschützt zu sein. Dann können wir den Gegner im Verband angreifen.
Wenn wir in der Unterzahl sind, können wir einen gegnerischen Angriff verhindern, indem wir seine Pläne aufdecken, eine verwundbare Stelle finden und sie angreifen.
Meine Empfehlung:
7. Kapitel: Manöver im Kampf um die Initiative
Mit taktischen Manövern können wir unsere Kräfte synchronisieren und den Gegner täuschen. Jede Bewegung muss genau überlegt sein.
Bevor wir das gegnerische Gebiet betreten, müssen wir über dortige Berge, Wälder, Fallgruben, Steilklippen, Moore und Sümpfe Bescheid wissen. Wir brauchen einen ortskundigen Führer, um natürliche Vorteile nutzen zu können.
Mit viel Gepäck und Proviant sind wir zwar langsamer und werden eventuell zu spät kommen, aber ohne Proviant, Versorgungslager und Tross sind wir verloren.
Wenn eine Armee schnell und ohne Rast marschiert, bleiben viele Männer auf der Strecke. Um mehr Männer ans Ziel zu bringen, müssen wir langsam marschieren. Wenn wir einen Umweg gehen, um den Gegner zu täuschen, können wir trotzdem vor ihm ankommen.
Unsere Truppe sollte einen geeinten Körper bilden. Mit Gongs, Trommeln, Bannern und Flaggen können wir die Aufmerksamkeit der Männer auf bestimmte Punkte konzentrieren.
Ein kluger General berücksichtigt, dass der menschliche Geist morgens scharf und abends müde ist. Er achtet auf Anzeichen von Unordnung und Durcheinander beim Gegner und wartet ruhig und diszipliniert ab.
Wir sollten nicht bergauf kämpfen, keine flüchtenden Gegner verfolgen und keine Gegner angreifen, die auf einen Kampf warten. Außerdem sollten wir keine Armee angreifen, die nach Hause zurückkehrt, weil die Männer todesmutig gegen jeden kämpfen werden, der sich ihnen in den Weg stellt.
Wenn wir den Gegner umzingeln, sollten wir ihm erkennbar ein Schlupfloch lassen, damit er glaubt, dass er notfalls fliehen kann. So verhindern wir, dass er mit dem Mut der Verzweiflung kämpft.
Verzweifelte Gegner sollten nicht zu hart bedrängt werden.
8. Kapitel: Taktische Varianten
Es gibt Armeen, die wir nicht angreifen sollten, Stellungen, um die wir nicht kämpfen sollten, und Befehle des Herrschers, denen wir nicht gehorchen sollten.
Ein guter General versteht die Vorteile taktischer Varianten. Er weiß, dass man kämpfen muss, wenn man sich in hoffnungslosen Positionen befindet, und welche Kriegslisten helfen, wenn man eingeschlossen wird.
Wir sollten unsere Lager nicht in schwierigem Gelände aufschlagen und uns nicht lange in gefährlich isolierten Positionen aufhalten.
Wir sollten keine Städte belagern, wenn sie keine Probleme machen oder wir sie nach einer Übernahme sowieso nicht halten könnten.
Wir sollten die gegnerischen Anführer schwächen. Das erreichen wir, indem wir ihnen Schaden zufügen, sie ständig in Atem halten und ihre besten und klügsten Ratgeber fortlocken.
Wir sollten Verräter in das gegnerische Land einschleusen, damit sie die Regierung behindern, indem sie Intrigen schüren, Zwiespalt säen, den Herrscher dazu bringen, Geld zu verschwenden, seine Moral mit hinterlistigen Geschenken untergraben und ihn durch schöne Frauen ablenken und verwirren.
9. Kapitel: Die Armee auf dem Marsch
Wir müssen vorausdenken und dürfen den Gegner nicht zu leicht nehmen.
Von Gelände mit tiefen Senken, Schluchten, undurchdringlichem Dickicht, Sümpfen und Bodenspalten sollten wir uns fernhalten. Wenn wir einen Salzsumpf durchqueren müssen, sollten wir uns beeilen, da es dort kein Süßwasser und Futter für die Tiere gibt. Nach der Überquerung eines Flusses sollten wir uns schnell von ihm entfernen.
Wir sollten den Gegner keinesfalls vor einem Fluss stellen, den er noch durchqueren muss. Es ist besser, die Hälfte der Männer hinüberlassen und dann anzugreifen.
Wo wir lagern sollten
Flaches, schattiges Gelände ist oft feucht, somit ungesund und ein Nachteil im Kampf. Darum sollte die Armee auf sonnigen Erhebungen oder Hügeln lagern.
Wenn sich Hügel, Teiche mit Schilf oder Wälder mit dichtem Unterholz in der Nähe des Lagerplatzes befinden, sollten wir sie gründlich durchsuchen, weil solche Orte von Spionen als Versteck und von Gegnern für Hinterhalte genutzt werden.
Die besten Positionen sind trockene, leicht zugängliche Stellen auf ebenem Grund mit ansteigendem Gelände zur rechten Seite und im Rücken.
Täuschungsversuche des Gegners durchschauen
Gegner, die sich überheblich geben, wollen einen Angriff provozieren.
Ein leicht zugänglicher Lagerplatz eines Gegners ist ein Köder.
Wer sich still verhält, baut auf die natürliche Stärke seiner Position.
Schutzschilde, die im dichten Gras auftauchen, sollen uns misstrauisch machen.
Den Gegner lesen
Tiere und Staubwolken verraten gegnerische Aktivitäten.
Plötzlich davonlaufende wilde Tiere und/oder aufsteigende Vögel deuten auf einen bevorstehenden Angriff oder Hinterhalt hin. Wenn sich am Lagerplatz des Gegners Vögel sammeln, ist er nicht besetzt.
Herannahende Wagen verraten sich durch Staub, der als Säule in die Höhe steigt. Sich nähernde Infanterie (Truppen, die zu Fuß unterwegs sind) kündigt sich durch Staubwolken an, die sich auf niedriger Höhe weitflächig ausbreiten.
Sunzi erklärt, dass wir vom Verhalten der gegnerischen Soldaten auf ihr Befinden schließen können. Wenn sie sich beim Stehen auf ihre Speere stützen, haben sie Hunger. Wenn diejenigen, die zum Wasserholen losgeschickt werden, zuerst selbst trinken, leidet die Armee unter Durst. Wenn der Gegner offensichtliche Vorteile ungenutzt lässt, ist er erschöpft. Lärm und laute Rufe in der Nacht verraten Nervosität und eine schwache Autorität des gegnerischen Generals.
Wütendes Anstürmen deutet darauf hin, dass sich der Gegner zurückziehen wird. Eifrige Vorbereitungen deuten auf baldiges Vorrücken hin. Wenn die leichten Wagen zuerst ankommen und sich an die Flügel begeben, stellt sich der Gegner zum Kampf auf. Wenn sich die gegnerischen Soldaten in Reih und Glied aufstellen und es viel Unruhe gibt, wird er bald angreifen. Wenn nur einige vorrücken und sich andere zurückziehen, ist es ein Täuschungsmanöver.
Wenn der Gegner schmeichelnde Gesandte schickt, will er einen Waffenstillstand. Wenn Friedensvorschläge nicht von einem beschworenen Abkommen begleitet werden, könnten sie eine Täuschung sein.
Wenn der Gegner Vieh schlachtet und verspeist, die Kochtöpfe einpackt und die Pferde mit Korn füttert, ist er entschlossen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen.
Wenn die gegnerischen Soldaten in Grüppchen zusammenstehen und flüstern, herrscht Unzufriedenheit in ihren Reihen. Wenn sie häufig belohnt werden, sind sie mit ihren Kräften am Ende. Häufiges Strafen weist auf schlimme Nöte hin, die sich nachteilig auf die Disziplin auswirken.
Strafe muss sein
Sunzi erklärt, dass Soldaten menschlich behandelt und doch mit eiserner Disziplin unter Kontrolle gehalten werden müssen. Es ist für alle am besten, wenn der General zeigt, dass er seinen Männern vertraut, aber gleichzeitig darauf besteht, dass sie seine Befehle befolgen.
Wenn man einen Soldaten bestraft, bevor man ihn für sich gewonnen hat, wird er nutzlos, weil er sich nicht mehr unterwerfen wird. Das Gleiche wird passieren, wenn man einen Soldaten ungestraft mit einem Verstoß davonkommen lässt, nachdem man ihn für sich gewonnen hat.
10. Kapitel: Gelände
Sunzi unterscheidet sechs Arten von Gelände.
- Zugängliches Gelände kann von beiden Seiten betreten werden. Um einen Vorteil zu erlangen, sollten wir die erhöhten und sonnigen Stellen besetzen und eine Unterbrechung unserer Nachschublinien verhindern.
- Behinderndes Gelände kann verlassen, aber nur schwer zurückerobert werden. Von einem solchen Ort aus können wir unvorbereitete Gegner schlagen, indem wir vorpreschen. Wenn der Gegner vorbereitet ist, besteht die Gefahr einer Niederlage, da wir nicht an den Ort zurückkehren können.
- Ausgleichendes Gelände zeichnet sich dadurch aus, dass keine Seite gewinnt, indem sie den ersten Schritt tut. Hier sollten wir uns zurückziehen und den Gegner herauslocken. Sobald ein Teil der gegnerischen Armee draußen ist, können wir ihn angreifen.
- Enge Pässe sollten vor dem Gegner besetzt werden, um die Ankunft des Gegners abzuwarten. Falls der Gegner einen engen Pass zuerst besetzt, sollten wir ihn nur dann angreifen, wenn er schwach ist.
- Steile Anhöhen sollten vor dem Gegner besetzt werden, um an erhöhten und sonnigen Stellen auf ihn zu warten. Falls der Gegner zuerst dort ist, sollten wir ihm nicht folgen, sondern uns zurückziehen, um den Gegner fortzulocken.
- Von Positionen, die weit vom Feind entfernt sind, kann keine Schlacht provoziert werden.
Sunzi bezeichnet die natürliche Geländeform als den besten Verbündeten des Soldaten und erklärt, dass Armeen auch in Notlagen geraten können, für die keine äußeren Umstände, sondern Fehler des Generals verantwortlich sind:
Es ist ein Fehler, wenn wir unsere Armee mit einer deutlich größeren Streitmacht zusammenprallen lassen, weil unsere Männer dann fliehen oder eine Niederlage erleiden werden.
Es ist ein Fehler, wenn unsere Soldaten zu stark und unsere Offiziere zu schwach sind, weil das zu Ungehorsam führt. (Sunzi spricht von Insubordination). Wenn die Soldaten zu schwach und die Offiziere zu stark sind, wird die Armee zerbrechen.
Es ist ein Fehler, wenn die Offiziere ohne den Oberbefehlshaber aus einem Gefühl von Wut heraus gegen einen Gegner zur Schlacht rufen.
Es ist ein Fehler, wenn ein General schwach ist und keine Autorität besitzt, seinen Männern keine Pflichten überträgt und/oder die Reihen unordentlich und willkürlich aufstellt.
Ein verantwortungsbewusster General muss diese Dinge beachten. Er muss den Gegner einschätzen, die zum Sieg führenden Kräfte kontrollieren und Gefahren, Schwierigkeiten und Entfernungen kalkulieren.
Ein General muss sich über den Willen des Herrschers hinwegsetzen, wenn dieser einen Kampf befiehlt, der zu einer sicheren Niederlage führen würde, oder einen Angriff verbietet, der in einem sicheren Sieg enden würde.
11. Kapitel: Neun Varianten der Gebiete
Sunzi nennt neun weitere Arten von Gelände:
- Ein auseinandersprengendes Gelände liegt vor, wenn unsere Soldaten nah an ihrem Zuhause sind und sich gerne in alle Richtungen verstreuen, um ihre Familien zu sehen. Um dem entgegenzuwirken, sollten wir unsere Männer mit dem Gedanken der Einheit inspirieren. Auf auseinandersprengendem Gelände sollten wir nicht kämpfen.
- Ein leichtes Gelände liegt vor, wenn die Armee noch nicht sehr weit in das gegnerische Gebiet vorgedrungen ist. Hier sollten wir möglichst nicht anhalten und darauf achten, dass alle Teile der Armee untereinander in Verbindung stehen.
- Umstrittenes Gelände ist für beide Seiten vorteilhaft. Hier sollten wir den Gegner nicht angreifen und unsere Nachhut nah heranziehen.
- Offenes Gelände erlaubt beiden Seiten, sich frei zu bewegen. Da die Gefahr eines Überraschungsangriffs hoch ist, sollten wir auf die Verteidigung achten. Wir sollten nicht versuchen, unserem Gegner den Weg zu versperren.
- Auf Gelände mit kreuzenden Straßen sollten wir uns mit Verbündeten zusammentun und uns ihrer Treue versichern.
- Gefährliches Gelände liegt vor, wenn wir so weit in das Land des Gegners vorgedrungen sind, dass sich befestigte Städte in unserem Rücken befinden. Hier sollten wir plündern und dafür sorgen, dass der Strom des Nachschubs nicht abreißt.
- Schwieriges Gelände bezeichnet Gelände, das schwer zu durchqueren ist: Bergwälder, Steilhänge, Moore usw. Hier sollten wir weitermarschieren.
- Eingeengtes Gelände kann nur durch enge Schluchten erreicht und verlassen werden, sodass wenige Gegner viele Männer töten können. Hier sollten wir eine Kriegslist nutzen und jede Rückzugsmöglichkeit blockieren, damit der Gegner glaubt, dass wir unsere Position verteidigen wollen, obwohl wir in Wahrheit schnell durch seine Reihen brechen wollen.
- Auf hoffnungslosem Gelände können wir dem Untergang nur entgehen, indem wir ohne Zögern kämpfen. Wir sollten unseren Männern erklären, dass keine Hoffnung für ihr Leben besteht.
Sunzi erklärt, dass ein Anführer wissen muss, wie man einen Keil zwischen die gegnerische Vor- und Nachhut treibt; wie man die Zusammenarbeit der gegnerischen Abteilungen vereitelt; wie man die guten gegnerischen Truppen davon abhält, die schlechten zu retten; wie man die gegnerischen Offiziere daran hindert, ihre Männer zusammenzurufen; und wie man verstreute Gegner daran hindert, sich zu konzentrieren.
Prinzipien, die der General der eindringenden Armeen beachten sollte:
- Unsere Truppe sollte möglichst tief in das gegnerische Gebiet vordringen. Denn je tiefer sie vordringt, desto größer ist ihre Solidarität.
- Wir sollten plündern, um uns mit Nahrung zu versorgen.
- Wir sollten sparsam mit unseren Kräften umgehen, unsere Männer nicht überschätzen und auf ihr Wohlbefinden achten.
- Wir sollten undurchsichtige Pläne schmieden, die wir regelmäßig anpassen, unsere Truppe stets in Bewegung halten und Umwege gehen, um unsere Absichten vor dem Gegner zu verbergen.
- Wir sollten unsere Soldaten in Positionen ohne Fluchtweg bringen. Wenn sie den Tod vor Augen haben und keine Hilfe erwarten, verlieren sie jede Furcht und bleiben standhaft. Dann gibt es nichts, was sie nicht erreichen können.
- Wenn unsere Soldaten vor einer Schlacht weinen, so tun sie dies nicht aus Angst, sondern weil sie fest entschlossen sind, zu siegen oder zu sterben.
- Schweigen ist der beste Weg, um für Geheimhaltung zu sorgen. Wir müssen in der Lage sein, unsere Offiziere und Soldaten mit falschen Berichten und Täuschungen zu verwirren, um sie unwissend zu halten. Wir sollten uns tief ins gegnerische Land begeben, bevor wir unsere Absicht offenbaren.
- Wir sollten unseren Gegner in Angst versetzen, damit seine Nachbarstaaten ebenfalls Angst bekommen. Dann werden sich die Verbündeten des Gegners nicht mit ihm zusammenschließen.
- Wir sollten uns nicht mit allem und jedem verbünden, sondern unsere Pläne im Geheimen ausführen und darauf achten, dass wir gefürchtet werden.
- Um Verrat zu verhindern und unsere Armee besser kontrollieren zu können, sollen wir Belohnungen nicht nach starren Regeln verteilen und beim Erteilen von Befehlen keine vorherige Planung berücksichtigen.
- Wir sollten uns vorsichtig an die Absichten des Gegners anpassen.
- Wir sollten den gegnerischen Oberbefehlshaber töten.
12. Kapitel: Angriff mit Feuer
Sunzi nennt fünf Möglichkeiten, mit Feuer anzugreifen:
- Die gegnerischen Soldaten in ihrem Lager verbrennen.
- Die Vorräte des Gegners verbrennen.
- Die Gepäckzüge des Gegners verbrennen.
- Die Arsenale und Magazine des Gegners verbrennen.
- Feuer zwischen die Reihen des Gegners schleudern.
Die trockene Jahreszeit und bestimmte Mondstände, die mit aufkommenden Winden in Zusammenhang stehen, sind am besten für Feuerangriffe geeignet.
Nachdem wir im gegnerischen Lager Feuer gelegt haben, sollten wir angreifen und uns dabei windwärts halten, um nicht unter dem Rauch zu leiden.
13. Kapitel: Einsatz von Spionen
Kriege, die nicht vorangehen, ruinieren Familien, lähmen die Wirtschaft und kosten den Staat ein Vermögen. Darum sollten wir Spione einsetzen, um Informationen über die Pläne des Gegners zu gewinnen. Spione sind ein äußerst wichtiges Element des Krieges, weil von ihnen die Fähigkeit abhängt, sich zu bewegen.
Sunzi erklärt, dass es fünf Klassen von Spionen gibt:
- Eingeborene Spione sind Bewohner des Gebietes, auf dem der Krieg stattfindet. Wir sollten die Leute freundlich behandeln und sie als Spione gewinnen.
- Innere Spione sind Beamte des Gegners, durch die wir Informationen über den Zustand und die Pläne des Gegners erhalten. Es eignen sich zum Beispiel Männer, die verbittert sind, weil sie bei der Verteilung von Posten übergangen wurden, oder verurteilte Kriminelle, die ihre Strafe verbüßt haben. Wir sollten sie heimlich aufsuchen und sie mit Geschenken auf unsere Seite holen. Hier ist äußerste Vorsicht geboten.
- Übergelaufene Spione sind Spione, die ursprünglich für den Gegner aktiv waren. Wir können sie mit großzügigen Bestechungsgeldern und anderen Versprechen dazu bringen, beim Gegner zu spionieren und/oder ihm falsche Informationen zu übermitteln. Die Informationen, die uns übergelaufene Spione liefern, können wir nutzen, um innere Spione anzuwerben.
- Todgeweihte Spione sind gegnerische Spione, die nicht wissen, dass sie entlarvt wurden. Wir können ihnen bewusst falsche Tatsachen vorspiegeln und sie so dazu bringen, dem Gegner falsche Informationen zu liefern.
- Überlebende Spione sind die übliche Klasse von Spionen, die uns Informationen aus dem gegnerischen Lager liefern.
Bevor wir jemanden als Spion einsetzen, müssen wir uns versichern, dass derjenige über die notwendige Erfahrung, Geschicklichkeit und einen rechtschaffenden Charakter verfügt. Keine Beziehung in der Armee bedarf mehr Vertrauen und Diskretion als die zu unseren Spionen.
Zu den Aufgaben der Spione gehört es z.B., die Namen der Gehilfen, Türsteher und Leibwächter des gegnerischen Generals in Erfahrung zu bringen.
Den größten Nutzen haben übergelaufene Spione. Darum ist es wichtig, sie mit äußerster Großzügigkeit zu behandeln.
Wenn einer unserer Spione eine geheime Information verbreitet, die nicht verbreitet werden sollte, müssen wir ihn zusammen mit dem Empfänger des Geheimnisses töten.
Meine Empfehlung:
Fazit
Die Kunst des Krieges* ist ein sehr interessantes Buch, das sich in einem Rutsch lesen lässt. Zwar geht es um Kriegsführung, aber die beschriebenen Prinzipien und Taktiken lassen sich auch in vielen anderen Lebenssituationen, wie z.B. bei Brett- und Computerspielen einsetzen. Zudem hilft es, militärische Auseinandersetzungen besser zu verstehen.



